Meinung : Zu viele Feinde

ANSCHLAG IN BAGDAD

-

Nächste Woche will George W. Bush auf einem Flugzeugträger das Kriegsende verkünden. Der Anschlag auf ein Munitionsdepot in Bagdad zeigt: Noch haben die Amerikaner die Lage nicht im Griff. Es ist unklar, wer für den Anschlag verantwortlich ist. Zu viele kommen in Frage: Treue Anhänger Saddam Husseins, die nichts mehr zu verlieren haben, arabische Freischärler, HisbollahKämpfer oder gar iranische Agenten – die Liste derjenigen, die Irak zu einem zweiten Libanon machen wollen, ist lang. In den 80ern bombte die Hisbollah die Amerikaner aus Beirut. Die Organisation, die schon vor Al Qaida ein globales Terrornetz geknüpft hatte, will nun auch im Irak gegen die USA kämpfen. Damit vertritt sie zudem die Interessen ihrer Hauptsponsoren Syrien und Iran. Alle drei wissen: Solange die Amerikaner mit dem Libanon beschäftigt sind, werden sie sich weder intensiv mit dem iranischen Atomprogramm beschäftigen noch mit den Terroristen der Hisbollah, die der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage einmal als das „A-Team des Terrorismus“ bezeichnet hat – gefährlicher also als Al Qaida. Vier Anschläge auf Waffendepots in 48 Stunden deuten zumindest auf eine koordinierte Aktion hin. Wer es letztlich war – vielleicht wird man es nie erfahren. clw

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben