Meinung : Zu weit gehüpft

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Michael Wolffsohn ist Historiker. Er ist aber auch ein Worthülsenweitwerfer, und ein begnadeter dazu. Als Seismograph für die intellektuelle Redlichkeit einer politischen Debatte taugt er schon deswegen nicht. Im Gegenteil. Wolffsohn ist immer Partei, im Zweifel seine eigene. Das verlangt schon die ihm eigene Eitelkeit. Nun fühlt er sich an die NaziZeit erinnert, weil Franz Müntefering in seinem antikapitalistischen Furor internationale Finanzinvestoren als „Heuschrecken“ bezeichnet hat. Mitte April war das. Nun ist Anfang Mai und Wolffsohns Assoziationskette ist endlich komplett: 60 Jahren nach der Nazi-Herrschaft würden wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die gleichsam als Plage vernichtet werden müssten – heute, sagt Wolffsohn, seien das „Heuschrecken“, damals „Ratten“ oder „Judenschweine“. Wäre es nur ein Vergleich, er wäre absurd. Wolffsohn aber vergleicht nicht, er setzt gleich. Der Historiker unterstellt, Müntefering hantiere mit dem gleichen rhetorischen Instrumentarium wie es die Nazis getan haben – und bei Wolffsohns Assoziationsakrobatik liegt mehr als nah, der SPD-Chef täte dies mit gleichem Kalkül. Das aber ist nicht nur absurd, es verursacht vielmehr exakt das, wovor Wolffsohn vermeintlich warnen will: Es vergiftet das politische Klima. Harald Schmidt hat schon Recht. Mit Ausnahme des Dosenpfands gibt es in Deutschland anscheinend nichts Politisches, bei dem nicht irgendeiner sagt: Vorsicht, nie mehr wieder! Vbn

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