Meinung : Zu wissen glauben

„Die Moral der Papst-Gegner“

vom 9. September

Ob die deutsche Linke über den Katholizismus „hetzt“, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber in dem, was Malte Lehming in diesem Artikel aus „diversen Publikationen“ zum Beweis dafür anführt, vermag ich keine Hetze zu erkennen. Vielmehr handelt es sich da, insbesondere bezüglich des Demokratiedefizits und der Sexualmoral, lediglich um die unbestreitbare Feststellung von nicht

gerade erfreulichen Tatsachen. Was diese Feststellung mit Störung des öffentlichen Friedens und mit Missachtung der Religionsfreiheit zu tun haben soll, bleibt mir verschlossen.

Prof. Dr. Georg Geismann,

Berlin-Schöneberg

Wo bitte hetzen deutsche Linke „über den Katholizismus kaum anders als Rechtspopulisten über den Islam“? Sie werfen mir und anderen Papst-Kritikern vor, den Vatikan mit Demokratiefeindlichkeit, Kollaboration mit dem Faschismus und Diskriminierung von Homosexuellen zu assoziieren und Herrn Ratzinger als ehemaligen Inquisitor zu kritisieren. Na und – stimmt das etwa nicht? Ich habe mich nie gegen „die Katholiken“ geäußert und werde das auch nie tun, genauso wenig wie ich gegen den Bau von Kirchen protestiere. An Katholiken sind die gleichen Maßstäbe anzulegen wie gegenüber Andersgläubigen oder Atheisten.

Genau dies verweigern aber die „Pro“-Bewegung und ihr nahestehende Gestalten. Sie haben keine Kritik an einzelnen Muslimen, an Aspekten der islamischen Geschichte oder realen Integrationsproblemen. Sie äußern Verachtung für die Gesamtheit der Muslime. Sie bestreiten deren Recht, ihre Religion gleichermaßen zu betreiben wie Christen. Sie schüren ein Gefühl der Bedrohung durch „die“ Muslime. Was sie umtreibt, ist ein antimuslimischer Rassismus.

Wird Kritik am Papst als Angriff

auf die Religionsfreiheit gewertet,

kann sich die Meinungsfreiheit

zum Teufel scheren.

Ulla Jelpke, MdB, Die Linke

Was fällt dem Autor eigentlich ein, unterbewusste Ängste vor einer Dominierung der Christen durch Muslime zu schüren? Wenn der Autor gegenüber seiner Leserschaft ehrlich gewesen wäre und journalistische Standards ernst nähme, dann hätte er auf die eine, mit 60 Prozent

absolut dominante Glaubensrichtung

in Berlin hingewiesen: die

Konfessionslosigkeit.

Nicolai von Neudeck, Niederlande

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