Zukunft der Dresdner Bank : Größenwahn tut nicht gut

Kommen Commerzbank und Dresdner Bank zusammen, geht ein politischer Traum in Erfüllung. Doch die Freude könnte voreilig sein. Denn für Kunden und Mitarbeiter überwiegen zunächst die Nachteile einer solchen Fusion.

Stefan Kaiser

Kommen Commerzbank und Dresdner Bank zusammen, geht ein politischer Traum in Erfüllung. Endlich gäbe es so neben der Deutschen Bank einen zweiten nationalen Champion, der in der internationalen Finanzwelt mithalten kann. Das haben Politiker verschiedenster Parteien seit Jahren gefordert. Doch die Freude könnte voreilig sein. Denn für Kunden und Mitarbeiter überwiegen zunächst die Nachteile einer solchen Fusion. Tausende Banker könnten ihren Job verlieren. Für die Verbraucher ginge ein Stück der Angebotsvielfalt verloren, die den deutschen Bankenmarkt wie keinen anderen auszeichnet.

Zudem haben sich Fusionen in der Finanzbranche oft als schwierig erwiesen: Die Allianz, die die Dresdner Bank abgeben will, weiß ein Lied davon zu singen, wie weit die auf dem Papier ausgearbeiteten Pläne und die Realität auseinander liegen können. Für sie war der Kauf der Bank ein Albtraum, aus dem sie erst jetzt, nach sieben Jahren, aufwacht – und der sie etliche Milliarden gekostet hat. Auch die Fusion der Bayerischer Hypotheken- und Wechsel-Bank mit der Bayerischen Vereinsbank zur Hypo-Vereinsbank vor zehn Jahren endete im Desaster und letztlich in der Übernahme durch die italienische Unicredit. So schlecht muss nicht zwangsläufig jede Fusion laufen. Doch die Gefahr besteht.

Kaum abzuschätzen ist auch, wie sich die Kunden verhalten. Wechseln sie verunsichert die Bank, wenn die gewohnte Filiale um die Ecke plötzlich geschlossen wird? Das hängt auch davon ab, wie sich die Bank selbst betrachtet. Will sie, berauscht von der neuen Größe, nur noch auf internationaler Bühne mitmischen oder besinnt sie sich ihrer Stärke auf dem deutschen Privatkundenmarkt? Dass Größenwahn den Banken nicht gut tut, hat gerade die Finanzkrise gezeigt, unter der die gesamte Branche noch immer leidet. Die Einbußen, die die Institute in den vergangenen zwölf Monaten erlitten haben, haben die Banker eine neue Demut gelehrt. Beispiel Deutsche Bank: Weil das internationale Investmentbanking außer Probleme derzeit nichts mehr einbringt, haben Josef Ackermann und seine Kollegen das weniger rentable, aber deutlich stabilere Geschäft mit den heimischen Privat- und Mittelstandskunden wiederentdeckt. Diese Erfahrung sollte auch neuen Champions eine Lehre sein.

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