Meinung : Zum Winde geweht

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Siemens geht einkaufen. Am Mittwoch hat das Unternehmen seine gut gefüllte Kasse um 1,2 Milliarden Euro erleichtert und den deutschen Getriebehersteller Flender gekauft. Bei einem Umsatz von 75 Milliarden Euro, den Siemens 2004 erwirtschaftet hat, erscheint der Kauf eher klein. Auf den zweiten Blick aber gewinnt das Geschäft an Bedeutung – nicht nur für Siemens, sondern auch für den Standort Deutschland. Flender macht ein Drittel seines Umsatzes mit Getrieben für Windkraftanlagen und ist hochprofitabel, unter anderem im nordrheinwestfälischen Bocholt. Das zeigt zweierlei: Die mit staatlicher Förderung in Schwung gebrachte Windenergie ist für den größten deutschen Elektrokonzern Siemens so attraktiv, dass er ein neues Geschäftsfeld daraus macht. Und: Für deutsche Firmen gibt es offenbar auch hier zu Lande – allen Unkenrufen zum Trotz – noch Gelegenheiten zu investieren. Auffällig ist allerdings die Einsilbigkeit, mit der Siemens die Themen Wind und Arbeitsplätze kommentiert. Vielleicht auch, weil man weiß, dass der Boom bei der Windkraft dem Ende zugeht, und dass Konkurrenten wie der US-Konzern General Electric viel früher in alternative Energien investiert haben. Spannend wird es, wenn feststeht, wie viele Arbeitsplätze in Bocholt erhalten bleiben. Dann zeigt sich, ob Siemens die These widerlegen kann, dass sich Investitionen in Deutschland zwar noch lohnen – dass sie am Arbeitsmarkt aber leider vorbeigehen. mot

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