Meinung : Zur Gewalt erzogen

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Der Faustschlag war gezielt: Ein zwölfjähriger Schüler verletzte damit eine 63-jährige Berliner Lehrerin so schwer, dass sie mit einem Gesichtsschädelbruch operiert werden musste. Wie haben die Eltern des Jungen reagiert? Sie verweigerten zunächst jegliche Zusammenarbeit mit den Behörden. Geht es nach den Justizministern, sollen Familienrichter Eltern von mehrfach mit Straftaten aufgefallenen Kindern unter 14 Jahren das Sorgerecht früher entziehen können, wenn sie jegliche Hilfen zur Erziehung ablehnen. Dieser Vorstoß ist richtig, nur müssen die gesetzlichen Grundlagen genau abgewogen werden: Wo hört das im Grundgesetz verankerte „natürliche Recht“ der Eltern zur Erziehung auf, wo beginnt das Kindeswohl? Der Staat muss sich dann mit voller Härte einmischen, wenn dieses Wohl als gefährdet erscheint, wenn ein junger Mensch mehrfach mit Straftaten auffällt und die Eltern darauf nicht reagieren. Der Ruf nach einer Gesetzesänderung allerdings zeigt auch das bisherige Unvermögen der Behörden: Haben Jugendämter und Familienrichter nicht bereits Instrumentarien in der Hand, Kinder zu schützen? Die Crux liegt im System: Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden verläuft oft sehr langsam. Wenn Familienrichter jetzt mehr Kompetenzen erhalten sollen, ist das folgerichtig: Für das Wohl des Kindes kann man nie schnell genug handeln. sib

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