Meinung : Zur Uni gegen den Frust

Beispiel Kairo: Was Entwicklungshilfe nicht kann

Clemens Wergin

Als George W. Bush die Deutschen vor den UN Pazifisten nannte, hat er damit nicht nur Freude ausgelöst. Schließlich sind in Afghanistan oder im Kosovo keine Kriegsdienstverweigerer stationiert, sondern echte Bundeswehrsoldaten mit richtigen Schießprügeln. Und doch lässt es sich kaum leugnen: Die Deutschen sind außenpolitisch die Champions der „soft power“. Will heißen: Solange man mit dem Technischen Hilfswerk anrücken kann, ist alles halb so schlimm. Außenpolitik als Reparaturbetrieb.

Die von Bundeskanzler Schröder feierlich in Kairo eröffnete erste deutsche Auslandsuniversität steht für dieses Selbstverständnis. Pragmatische Entwicklungspolitik soll Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Ägyptische Studenten, die an der Universität in Kairo Berufsabschlüsse erwerben, so lautet die Hoffnung, werden nicht zu Terroristen, weil man ihnen eine Perspektive bietet. Gleichzeitig wird damit eine Brücke in den Westen errichtet, wie es auch die vielen politischen Stiftungen tun, die in nahöstlichen Ländern aktiv sind. Sage niemand, wir bemühten uns nicht.

Dennoch greift eine Orientpolitik zu kurz, die sich allein auf die kleinteiligen Instrumente der Entwicklungshilfe verlässt. Wirtschaft und Gesellschaft sind im Nahen Osten ja nicht wegen eines Mangels an Bio- oder Verfahrenstechnikern blockiert, sondern aus Gründen harter Politik. Die in unterschiedlichem Maße diktatorischen Regime verhindern, dass ihre Untertanen das in ihnen schlummernde Potenzial entfalten können. Dass die beispiellose Stagnation der letzten zwei Jahrzehnte überwunden werden kann, ist fraglich. Beispiel Ägypten: Wie in Syrien setzt man hier auf die Erb-Autokratie. Gamal Mubarak, der Sohn des Präsidenten, wird gerade als Nachfolger aufgebaut. Er gilt als reformfreudig, aber das hat man über Baschar Al-Assad auch gesagt – bevor der Syrien weiter in die Isolation führte, als es sein Vater je gewagt hätte.

Es reicht also nicht, mit ein paar Wirtschaftsführern durch die Region zu tingeln und Entwicklungsprojekte einzuweihen. Wenn sich an der Spitze dieser Länder nichts ändert, wird der Nahe Osten weiter jede Menge frustrierter junger Menschen hervorbringen. Und was die neue Uni anbelangt: Es sind gerade die technisch ausgebildeten Akademiker, die bei Islamisten wie auch unter den Al-Qaida-Attentätern besonders häufig vertreten sind. Wer dagegen etwas unternehmen will, der darf nicht nur universitäre, sondern muss politische Perspektiven bieten.

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