Meinung : Zurück zu den Wurzeln

Sparkasse und Berliner Bank sollen wieder getrennt werden

Dieter Fockenbrock

Die Europäische Kommission stellte knallharte Bedingungen: Die Bankgesellschaft in Berlin muss zerschlagen werden. Das hört sich dramatisch an, ist es aber nicht. Denn in Wahrheit ist die von Brüssel geforderte Trennung von Sparkasse und Berliner Bank nur eine Folge der Beinahe-Pleite des Finanzinstitutes. Die eigentliche Katastrophe bahnte sich vor Jahren an und konnte nur mit massiver Hilfe des Landes Berlin abgewendet werden. Knapp 1,8 Milliarden Euro gab es als direkte Finanzspritze, weitere 22 Milliarden Euro stehen aus Steuergeldern für Altrisiken aus Immobiliengeschäften bereit.

Dass Brüssel diese staatlichen Beihilfen nicht ohne Bedingung genehmigen würde, daran gab es nie einen Zweifel. Denn die Bankgesellschaft ist mit Sparkasse und Berliner Bank mit großem Abstand der Marktführer in Berlin. Dass die Bankgesellschaft sich aber komplett von ihrer Privatkundentochter Berliner Bank trennen soll, dass hatte so manchen überrascht – vor allem in der Bankgesellschaft selbst. Doch der Versuch des Managements, schnell noch vollendete Tatsachen zu schaffen, ist nicht aufgegangen. Trügerisch war die Hoffnung, dass die Auflagen aus Brüssel schon nicht so gravierend ausfallen werden. So machte sich die Bankgesellschaft im Sommer daran, die beiden Töchter zu verschmelzen – obwohl noch kein Votum aus Brüssel vorlag. Sparkasse und Berliner Bank sollten nach den Plänen des Bankenchefs Hans-Jörg Vetter zwar ihre Namen behalten, doppelte Abteilungen für die Abwicklung der Finanzgeschäfte sollte es aber nicht mehr geben. 35 Millionen Euro hätten damit jährlich an Kosten eingespart werden können.

Daraus wird nichts. Jetzt wird das Rad auf Druck der Europäischen Kommission zurückgedreht. Für die ohnehin verunsicherten Mitarbeiter des Bankenkonzerns ist das eine Katastrophe, weil das Konzept zum x-ten Mal geändert wird. Für die Bankgesellschaft ist es aber kein Drama. Sicher: Vetter wird sein Ziel, schwarze Zahlen zu schreiben, erst später erreichen. Aber am Ende steht immer noch eine starke Sparkasse. Die Bankgesellschaft landet bei ihren Wurzeln.

Gemessen daran, dass die Bankgesellschaft einmal ganz oben in der Bankenliga mitspielen wollte, ist das nicht viel. Doch gemessen daran, wie spektakulär Vetters Vorgänger an ihrem Ziel gescheitert sind, wäre das eine ganze Menge. Denn die Zeiten, in denen Sparkassen die Underdogs der Finanzbranche waren, sind vorbei. Sparkassen sind heute nicht nur interessante Übernahmekandidaten für Großbanken, die den privaten Kunden wiederendeckt haben. Sparkassen gelten inzwischen auch als Akteure im Bankenmonopoly. Der Berliner Sparkasse ist allerdings vorerst Bescheidenheit anzuraten – aus guten Gründen.

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