Meinung : Zurückgeschrieben: Schulz-Ojalas Antwort

Sehr geehrter Herr Wiese

Animationsfilme, ob am Tricktisch oder am Computer entstanden, gehören zur wohl vitalsten aller Film-Gattungen. Überwiegend für ein kindliches Publikum gedacht verzaubern sie aber auch Erwachsene durch Phantasie und mitunter (Selbst-)Ironie - ob bei Disney, Spielbergs Dreamworks oder in den japanischen Anime-Welten.

Auch Hayao Miyazakis Berlinale-Sieger "Sen to Chihiro no Kamikakushi" ist ein ansehnlicher Film - das hatte der in einem gewissen Spontanschmerz geschriebene Kommentar zur Jury-Entscheidung gar nicht in Abrede gestellt. Wohl aber muss gefragt werden, ob die Konkurrenz zwischen verschiedenen Gattungen wie dem Animations- und dem Spielfilm bei A-Festivals wie Cannes, Venedig oder Berlin Sinn macht. Sie ist eingerissen in letzter Zeit - wohl eine Reverenz an den rasanten Fortschritt in der computergenerierten Bildherstellung. Nur schlüssig ist sie deshalb noch lange nicht.

In den Wettbewerben dieser Festivals wird die Qualität von Spielfilmen verglichen. Schauspieler stellen in ihnen eine Geschichte dar, die reale, historische, aber auch erfundene Grundlagen haben kann. Das ist ihre Anima, die kein Animationsfilm erreichen kann und will. Dessen ausschließlich erdachtes und fraglos aufwendig gemachtes Bild enstammt einer anderen kreativen Welt als das Ensemblespiel. Es mag künstlerisch sein, aber es bleibt: künstlich.

Die amerikanische Oscar-Akademie hat das erkannt - und die wachsende Bedeutung des Animationsfilms mit einem eigenen (!) Oscar gewürdigt. Die großen Festivals aber, die das Gleich-zu-Gleich zulassen, bringen sich in Definitionsnöte. Warum nehmen sie den Trickfilm in ihre Wettbewerbe auf, halten aber den Dokumentar- oder Werbefilm draußen, um nur zwei Gattungen zu nennen? Weil hier das Unvergleichbare vollends offensichtlich wird?

Trösten wir uns. Alle diese Film-Gattungen, auch der Animationsfilm, haben ihre eigenen Festivals, und das ist klug so. Dabei braucht der Animationsfilm, der ewige Publikumsliebling, Festivals wohl am allerwenigsten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jan Schulz-Ojala, Filmredakteur

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