Meinung : Zurückgeschrieben: Sind Trickfilme kindisch?

Betrifft: "Die finale Fantasie" vom 18. Februar 2002

Sehr geehrter Herr Schulz-Ojala

unabhängig von der sicherlich subjektiven Qualität der Preisträger störte mich die Überheblichkeit, mit der Sie den Preisträger "Sen no Chihiro no Kamikakushi" wegwischen, eine mehrfache Ohrfeige für Herrn Miyazaki und den animierten Film insgesamt. Es ist traurig, dass Sie den animierten Film zwar für eine "formal" innovative Fantasie halten, die aber wie alle Trickfilme nur etwas für großen Kinder ist und in einem Festival, in dem erwachsene Filme mit realen Schauspielern gezeigt werden, nichts verloren hat. Ihr Grauen davor, dass komplett am Rechner erstellte Filme die Preise "abräumen", halte ich angesichts der Tatsache, dass der Trickfilm wohl kaum in den Kategorien für Beste SchauspielerInnen, Kameraführung usw. antreten und auch nicht den Realfilm verdrängen kann, für übertrieben.

Vermutlich stellen Sie sich die Produktion animierter Filme so vor: Ein Script, ein paar Roh-Entwürfe, der Computer rechnet ein paar Tage - fertig ist der Trickfilm. Der kreative Prozess bleibt Ihrer Meinung nach vermutlich allein dem Realfilm überlassen. Das ist so absurd, als wenn Sie sich vorgestellt hätten, dass bei der Oscarverleihung für beste Filmmusik die Software des Komponisten und beim Biathlon die Gewehre und Ski der Sieger geehrt werden.

Sven Wiese, Berlin-Lankwitz

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