Meinung : Zurückgeschrieben: Wewetzers Antwort

Sehr geehrter Herr Kilger

es war nicht mein Ziel, die Verdienste des Genomforschers Craig Venter zu schmälern. Der Tagesspiegel hat als einer der ersten Zeitungen auf Venters Arbeit hingewiesen und 1998 bereits ein Interview mit ihm geführt. Also lange, bevor er in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Venter hat als Wissenschaftler Herausragendes geleistet, daran besteht kein Zweifel.

Aber Venter ist auch gescheitert - mit seiner Idee, auf der Basis des Genoms ein florierendes Unternehmen zu errichten. Das haben andere vor ihm besser gekonnt und den Paradigmenwechsel, von dem sie schreiben, damit längst eingeleitet. Die hochfliegenden Erwartungen und die tiefsitzenden Befürchtungen, die ihn zu einer Symbolfigur biotechnischer Utopien machten, sind nun gegenstandslos.

Natürlich darf und soll das nächste Heureka in der Biotechnik aus einem Labor in Deutschland erschallen. Was wir hierzulande brauchen, sind aber nicht Wechselbäder zwischen Heilserwartungen und düsteren "biopolitischen" Schwarzmalereien, sondern ein nüchterne Bestandsaufnahme der Chancen und Risiken der Genforschung.

Die neuen Möglichkeiten der Biotechnik stimmen mich optmistisch. Auch ich sehe die Chance, schwere Krankheiten, besser behandeln zu können. Dafür gibt es bereits einige Beispiele. Dabei aber sollte man nicht nur auf Firmen, sondern auch auf Forscher setzen. In den USA etwa darf die Industrie Stammzellen aus Embryonen gewinnen und mit ihnen experimentieren. Forscher, die aus Steuern bezahlt werden, dürfen das nicht. Das könnte verhindern, dass der erfolgversprechende Zweig der Stammzellforschung eines Tages Früchte trägt.

Gerade das Terrain neuer Forschungsgebiete muss zunächst gründlich sondiert werden. Das ist bei Firmen, die auf den Erfolg an der Börse setzen, nicht immer der Fall. Sie veröffentlichen mitunter zweifelhafte Studien, wie kürzlich ein amerikanisches Unternehmen, das menschliche Embryonen klonte. Strenge wissenschaftliche Maßstäbe dürfen nicht kurzsichtigen finanziellen Interessen geopfert werden - darunter würden am Ende alle leiden. Die Firmen übrigens am meisten.

Hartmut Wewetzer

Verantwortlicher Wissenschaftsredakteur

0 Kommentare

Neuester Kommentar