Meinung : Zwangsarbeiter: Alte Nachricht, endgültige Blamage

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Kennen Sie diese Nachricht: "Der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter fehlen immer noch 1,4 Milliarden Mark."? Wenn Sie gelegentlich "Tagesschau" sehen: Ja. Denn seit Monaten wird diese Meldung alle zwei, drei Wochen wiederholt. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise wird zur Nachricht, was neu ist: Hier ist die Nachricht, dass sich nichts ändert. Offenbar wird mit ihrer Verbreitung ein pädagogisches Ziel verfolgt. Es ist eine nachdrückliche Erinnerung, dass nach wie vor 98 Prozent der deutschen Firmen nicht zahlen. Ganz Wohlwollende glauben, dass die Zahlungsmoral wachse, wenn demnächst US-Gerichte die Sammelklagen gegen deutsche Unternehmen abweisen. Das Gegenteil dürfte der Fall sein: Warum zahlen, wenn gar keine Gefahr mehr droht - diese Logik liegt näher. (Außerdem ist dem zahlungsunwilligen Mittelstand der US-Markt und die Sammelklage ohnehin egal.) Der Grüne Volker Beck will nun Zahlungsunwillige zwangsouten. Moralisch ist das eine feine Idee - aber praktisch gesehen gab es solche Listen schon. Und zum Boykott von 98 Prozent der deutschen Firmen aufzurufen, ist das aussichtsreich? Vielleicht sollte man sich lieber mit der Blamage vertraut machen, dass die Stiftungsinitiative gescheitert ist.

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