Meinung : Zwangspfand: Innen hohl und außen Blech

Ulrike Fokken

Am Strand, auf der Waldlichtung und dem Gipfel findet der Naturliebhaber vor allem eines: Getränkedosen. Arglos hingeworfen oder in einer Felsspalte versenkt, erwartet die Dose aus Weißblech und Aluminium dort ihre Halbwertzeit. Die liegt zwar weit unter der eines abgebrannten Brennstabs, aber Dosenblech lebt länger als ein Mensch. Es verrottet nicht einfach, liegen gebliebene Dosen verschandeln die Landschaft. Mit nicht kompostierbarem Müll in der Öffentlichkeit muss eine Industriegesellschaft offenbar leben lernen. Aber sie lebt ja auch ganz gut von der Herstellung und dem Handel mit diesem Müll. Sie muss aber nicht wider besseres Wissen immer mehr Problemabfall produzieren, bloß weil dies schon immer so war und der Zustand des Nichtstuns recht kommod ist.

Deutschland ist eine der größten und innovativsten Wirtschaftsnationen der Welt. Müssen überhaupt tonnenweise Dosen produziert werden, obwohl sich Bier und Brause auch in umweltfreundlicheren Kunststoff- oder wieder befüllbaren Glasflaschen an den Konsumenten bringen lassen? Dosen sind nicht erst als Dose ein Problem. Sie belasten die Umwelt von der Wiege bis zur Bahre: von ihrer Herstellung bis zur Entsorgung. Die Grundstoffe für das Weißblech und das Aluminium - Eisenerze und Bauxit - werden unter enormen Belastungen für die Umwelt und die Bevölkerung in den USA und Australien oder in Entwicklungsländern wie Jamaika, China und Brasilien abgebaut und dann um die Welt geschifft, um hier zu einer Getränkedose zu werden. Bevor sie als Transportmittel für Brause oder Bier dient, hat die Dose bereits eine erkleckliche Umweltbilanz verursacht: Energieverbrauch, Wasser- und Luftverschmutzung, versauernde Böden. Das ist keine ökologische Demagogie, sondern das Ergebnis einer Ökobilanzstudie, die das Prognos Institut für das Umweltbundesamt erstellt hat.

Zum Job des Bundesumweltministers Jürgen Trittin gehört es, solche Erkenntnisse politisch umzusetzen und Anstöße für andere Formen der Getränkeverpackung und des Handels zu geben. Die Dosen und Einwegflaschen verbieten kann er nicht, aber er kann versuchen, den Konsum zu lenken. Wenn der Durstige für die Einwegverpackung im Voraus fünfzig Pfennig Pfand hinlegen muss, bringt ihn das vielleicht zum Nachdenken, ob er mit 15 oder 30 Pfennig für eine Mehrwegflasche besser fährt.

Die Verpackungsverordnung ist gewiss nicht das beste vorstellbare Umweltschutzgesetz, aber sie beinhaltet immerhin das momentan Durchführbare. Die vom Kabinett beschlossene Novellierung ist ein ökologisches Signal. Und ein Anstoß für die Getränkeindustrie, nach neuen Tüten, Bechern, Flaschen oder Kartons zu forschen.

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