Meinung : Zwei Grad leben

Von Dagmar Dehmer

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Wer das große Barrierriff in Australien noch sehen möchte, sollte sich bald zu einer Reise dorthin entschließen. Zum Ende des Jahrhunderts dürfte es nahezu komplett ausgebleicht, die Korallen gestorben sein. Nur schade, dass so ein Flug nach Australien das Verschwinden des Riffs weiter beschleunigt. Denn jeder Flug treibt den Klimawandel an. Und der wird selbst im besten Fall zu einer Erwärmung von etwa zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung führen. Schon das führt zum Aussterben von 30 bis 40 Prozent der Pflanzen- und Tierarten.

Die Korallenriffe gehören zu den ersten Lebensräumen, die komplett zu verschwinden drohen. Der zweite Bericht des Weltklimarats (IPCC) zeigt an einer Vielzahl von Beispielen, welche Spuren der Klimawandel bereits hinterlassen hat. Das sollte den Regierungen Ansporn sein, dieses Jahr dafür zu nutzen, ein neues Klimaschutzabkommen möglich zu machen. Eine Begrenzung auf zwei Grad Erwärmung ist nämlich nur möglich, wenn es gelingt, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zur Mitte des Jahrhunderts um mindestens 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Das wird nicht einfach – ist aber möglich. Dafür braucht es aber mehr politischen Willen, als viele Regierungen bisher gezeigt haben.

Das ist aber nicht die einzige Aufgabe. Gleichzeitig müssen wir uns auf die nicht mehr abwendbare Erwärmung vorbereiten. Das hat Folgen für die Planung von Straßen, Gebäuden, Kraftwerken bis hin zum Gesundheitssystem. Das sollte auch Folgen für die Förderpolitik der Weltbank haben, die angesichts des Tempos der Veränderungen aus einigen geplanten, aber nicht mehr umsetzbaren Großprojekten aussteigen sollte. Vor allem aber müssen die Industrienationen ihre Verantwortung für den Schaden annehmen, den sie mit ihrer bisherigen Energiepolitik angerichtet haben. Es müssen viel mehr Mittel für die Anpassung an den Klimawandel in den armen Ländern aufgebracht werden – von uns.

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