Meinung : Zwei Herren aus Verona

Nach getanem Urlaub: Gerhard Schröder trifft Silvio Berlusconi zum Frühstück

Moritz Schuller

Der Kanzler hatte, wegen der Geschichte mit Berlusconi, keinen Urlaub. Er hat sich stattdessen in Hannover mit der Zukunft des Landes beschäftigt.

Silvio Berlusconi nutzte die gleiche Zeit derweil zu Folgendem: Als Trauzeuge hat er an der Hochzeit von Bilal Erdogan teilgenommen, dem jüngsten Sohnes des türkischen Ministerpräsidenten; in „Bild“ hat er Joschka Fischer für dessen „Kompetenz und Idealismus“ gelobt und sich als kompetenter Schlichter im Streit zwischen Schröder und Bush angeboten; er hat juristische Schritte gegen den englischen „Economist“ erwogen, wegen einer „feindseligen und vollkommen politischen Kampagne“; er hat einen neuen Minister ernannt, Putin in Moskau getroffen und per Dekret die gesamte italienische Fußballliga aufgemischt. Vielleicht hat er auch noch Urlaub gemacht.

Der Italiener, könnte man angesichts dieser eindrucksvollen Aktivitäten meinen, schafft in 90 Minuten mehr weg, nicht nur im Fußball. Vor allem, weil Berlusconi kurz vor dem Ende der Urlaubszeit noch einen weiteren Tagesordnungspunkt als erledigt betrachten darf: Schröder kam nach Verona, ohne große Oper, das Verhältnis ist wieder im Lot. Der Herbst kann beginnen.

Und doch, die Vergangenheit lässt Berlusconi auch an diesem Abend nicht los. Schröder folgt nämlich in erster Linie einer Einladung Romano Prodis, des italienischen EU-Kommissionspräsidenten. Prodi wiederum wollte 1985 als Chairman der staatlichen Industrieholding Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) einen Teil des Konglomerats an den Unternehmer Carlo de Benedetti verkaufen. Der betroffene Minister war für den Verkauf, Berlusconi verhinderte ihn, angeblich als Gegenleistung für gewisse Vorteile im Mediengeschäft. Wegen des Falls richtete der „Economist“ vor wenigen Wochen einen offenen Brief an Berlusconi. Berlusconi hat sich für den juristischen Vorgang inzwischen Immunität verschafft.

Prodi ist also eine wandelnde Mahnung, was Berlusconi sonst noch alles gemacht hat. Und dass das Problem Berlusconi nie ausschließlich eines der familiären Urlaubsplanung war. Das böse Wort des Staatssekretärs Stefani von den „einförmigen, supernationalistischen Deutschen“ war nur das blöde Ende einer Affäre von Berlusconi selbst: Die Beschimpfung des SPD-Politikers Schulz bei Berlusconis erstem Auftritt vor dem Europäischen Parlament hatte deutlich gemacht, wie ungeeignet er als Staatsmann ist. Doch das ging unter, auch im Streit um den Urlaubsort des Kanzlers.

In Shakespeares „Zwei Herren aus Verona“ sagt am Schluss Valentine zu Proteus, dem Freund: „Das soll deine Buße sein, von unseren Liebesgeschichten zu hören. Und dann feiern wir gemeinsam Hochzeit; ein Fest, ein Haus, ein Glück für zwei.“

Für Verbrüderung ist es zu früh. Die Rückkehr nach Italien, begleitet von neuen Ausfällen des Ex-Staatssekretärs, lässt den Sommer ungeschehen erscheinen: Vielleicht merkt Schröder nun, dass Berlusconi nicht nur Urlaub, sondern auch Arbeit bedeutet.

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