Meinung : Zwei Riesen und ein Verlierer

Von Maren Peters

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So kann man sich täuschen. Bis zum Donnerstagabend schien die Übernahme von Schering durch den Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer beschlossene Sache. Bis zum Fristablauf am Mittwochabend wollte Bayer mindestens 75 Prozent der Schering-Aktien einsammeln, die der Konzern zur Voraussetzung für die Übernahme gemacht hatte. Der Rest galt als Formsache. Unter den gegebenen Umständen wäre das die beste Lösung gewesen. Dass Scherings Traum von der Zukunft als unabhängiger Pharmahersteller nach der Merck-Attacke ausgeträumt war, war klar. Der freundliche „weiße Ritter“ Bayer hätte Schering vor der feindlichen Übernahme durch Merck bewahrt, der Standort Berlin wäre auch in Zukunft stark geblieben. 6000 Stellen wären zwar gestrichen worden – bitter, aber immer noch besser als eine ungewisse Zukunft mit Merck. Doch aus der vermeintlich sicheren Sache wird wohl nichts mehr. Merck hat seit der vergangenen Woche seinen Schering-Anteil massiv aufgestockt und macht so eine erfolgreiche Übernahme durch Bayer immer unwahrscheinlicher. Der Verlierer heißt Schering.

Dass das Berliner Traditionsunternehmen nach einer gescheiterten Übernahme weitermachen kann wie vorher, als unabhängiger, ziemlich erfolgreicher Medikamentenhersteller, ist eine Illusion. Sollte die Übernahme nicht gelingen, ist Scherings Zukunft – und die seiner Beschäftigten – wieder ungewiss. Schering hätte mit Bayer und Merck zwei Großaktionäre im Boot, die sich gegenseitig blockieren könnten – und damit auch Schering. Unwahrscheinlich, dass Bayer und Merck von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen, denn für eine stille Finanzbeteiligung ist der Einsatz zu hoch. Unwahrscheinlich auch, dass es bei diesem Zustand auf Dauer bleibt. Es wird etwas passieren. Die Frage ist nur, was. Merck hat sich bisher zu seiner Strategie nicht geäußert. Es ist zu befürchten, dass das in Berlin ungeliebte Unternehmen sich den Verkauf seiner Schering-Anteile von Bayer teuer bezahlen lässt – durch den Verkauf von Medikamenten oder von Vertriebsrechten auf dem lukrativen US-Markt. Eines ist klar: Schering wird auf jeden Fall geschwächt. Wer dafür bluten muss, sind die Arbeitnehmer. Weitere, umfangreiche Entlassungen werden die Folge sein. pet

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