ZWISCHEN Ruf : Demut bringt den Bankern nichts

Ursula Weidenfeld

Ein bisschen Demut verlangt SPD-Finanzminister Peer Steinbrück von Deutschlands Bankern. Eine Entschuldigung will CDU-Spitzenmann Norbert Röttgen hören. Und der Oberlinke Oskar Lafontaine würde die meisten Geldmanager am liebsten gleich in den Knast schicken. Doch statt das Knie zu beugen vor dem Gemeinwesen, sagen Banker Sätze wie den Josef Ackermanns, dass sie sich schämen würden, wenn sie Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen müssten. Oder wie der Bayerische Landesbankchef Michael Kemmer, nachdem man einen Kapitalbedarf von 6,4 Milliarden Euro eingeräumt hatte, man sei nicht der Typ für Entschuldigungen: „Jeder macht Fehler.“

Unbelehrbar, arrogant, realitätsfern. Warum sind sie so? Es würde sie nichts kosten, den Politikern, der Gesellschaft einmal zu danken für ihr Engagement in den letzten Wochen. Anzuerkennen, dass diese Gesellschaft sich entgegen ihrer Prioritätenliste – 1. Soziales, 2. Umwelt, 3. Bildung – entschieden hat, das Richtige zu tun.

Dass sich einer von ihnen entschuldigt, ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Es würde den Bankern nichts bringen, deshalb tun sie es nicht. Denn erstens zählt eine Entschuldigung nur in dem Augenblick etwas, in dem sie ausgesprochen wird. Eine Minute später schon ist sie lächerlich und klein. Spätestens nach einer Woche ist sie nicht mehr als das Dokument eines zerknirschten Versagers, gut für Comedy-Sendungen und satirische Wochenrückblicke. Das ist schlecht für das Geschäft.

Die Alltagsentschuldigung, um die es in Sachen Finanzkrise geht, funktioniert nach einem anderen Muster. Sie wird gefordert, weil man Anspruch auf sie hat. Sie soll dem Täter keine Würde zurückgeben, im Gegenteil: Er soll auf Würde verzichten. Vorher verachtet man den Delinquenten dafür, dass er nicht liefert. Dann verachtet man ihn für seinen Diensteifer, seine Beflissenheit, und unterstellt ihm Heuchelei. Nicht zu Unrecht. Man erinnere sich nur an die Ausflüchte der DDR-Regierenden, die sich für ihre Fehler und Verbrechen exkulpieren wollten. Oder an die tränenreichen Bußgänge von gedopten Spitzensportlern.

Entschuldigung, ja. Die will man jetzt hören. Aber verzeihen will man nicht. Ohne die Aussicht auf Vergebung aber haben Reue und Buße keinen Sinn. Das ist bei Bankbetriebswirten genauso wie in der katholischen Kirche.

Die Autorin ist Chefredakteurin von „Impulse“.

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