Meinung : Zwischen zwei Übeln

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Gestern war ein guter Tag für die Extremisten im Irak. Erst gelang es einem Selbstmordattentäter, den Wohnsitz eines der wichtigsten schiitischen Politiker anzugreifen. Dann zeigte die Destabilisierung des sunnitischen Dreiecks Erfolg: Die bedeutendste sunnitische Partei zog ihre Wahlliste zurück, weil die Sicherheit im Lande nicht gewährleistet sei. Ein Rückschlag für Premierminister Ijad Allawi, der in Gesprächen mit sunnitischen Geistlichen und Stammesführern versucht, die Sunniten in den demokratischen Prozess zu integrieren. Schon regte Iraks Außenminister an, die Wahlen in Mossul und in den sunnitischen Gebieten zu verschieben. Und die Wahlkommission überlegt, den etwa 20 Prozent Sunniten die Angst vor dem neuen Irak zu nehmen, in dem man ihnen unabhängig von deren Wahlbeteiligung Sitze im neuen Parlament reserviert. All diese Vorschläge verdeutlichen nur das Dilemma: Die Wahlen zu verschieben hieße, den Zeitpunkt weiter zu verzögern, an dem die Iraker die Verantwortung für ihr Schicksal übernehmen. Wenn allerdings die Situation im Lande nur irreguläre Wahlen erlaubt, wäre das demokratische Experiment womöglich gleich beim Start zum Scheitern verurteilt. clw

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