Zwischenruf zu … : … Hannelore Kraft und Angela Merkel

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Was unterscheidet Hannelore Kraft von Angela Merkel? Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin ist nach neuesten Umfragen bei den Wählern beliebter als die Bundeskanzlerin. Sie gilt als neu und unverbraucht, was man von der Kanzlerin auch beim besten Willen nicht mehr behaupten kann. Kraft ist volksnah und hat ein Gespür für die richtige Geste zur richtigen Zeit. Auch das würde man Merkel nicht direkt zuschreiben.

Es spräche also aus SPD-Sicht viel für den direkten Vergleich der beiden Politikerinnen in einer Bundestagswahl. Hannelore Kraft würde im direkten Vergleich der Persönlichkeiten besser abschneiden, denken SPD-Strategen, die trotz aller Dementi aus Düsseldorf auf eine Kandidatur hoffen. Doch so attraktiv die Vorstellung ist, die beiden gegeneinander in den Wahlkampf ziehen zu sehen: Hannelore Kraft tut gut daran, in Nordrhein- Westfalen zu bleiben.

Zum einen hat Angela Merkel die Interessen Deutschlands in der Euro-Krise mit einer bisher unbekannten Härte vertreten. Hätte Kraft die auch gehabt? Oder hätten wir jetzt schon Euro-Bonds und andere Einrichtungen zur Förderung der Harmonie in der Euro-Zone? Merkel wie Kraft sind pragmatische Spitzenpolitikerinnen, beide gelten aber als nicht besonders entschlussfreudig. Der Unterschied: Merkel mag zwar wackeln und zaudern, doch im entscheidenden Augenblick bleibt sie hart, wo Hannelore Kraft weich wird. Hätten wir Kraft, wir würden auf Marktplätzen zwar warm angelächelt, im Karneval angeschunkelt, und als von Entlassung Bedrohte umgehend der Solidarität der Landesmutter versichert. Das mag regional wirken, überregional verbraucht sich diese Attitüde schnell. Auch das Etikett „neu, frisch, authentisch“ würde vermutlich nicht besonders gut funktionieren, wenn jetzt gewählt würde. Dieses politische Profil wählt man in politisch satten Zeiten.

In der Entwicklung eines Politikers gibt es eine Kandidaten-Zeit, das ist die Zeit der Versuchung. Wer Familienschnappschüsse mit Hund (Hannelore Kraft) veröffentlicht, wer Fotoposen mit rosa Kinderwagen macht (Sigmar Gabriel) oder einen gemeinsamen Wochenendeinkauf mit Journalisten unternimmt (Andrea Nahles, es wurde nur wenig Gemüse gekauft), bekommt kurzfristig gute Sympathiewerte, wenn es gut läuft. Doch am Ende einer politischen Karriere holt einen so etwas ein.

Die Bundeskanzlerin auf der anderen Seite: Sie leistet sich jetzt eine Distanz und Kälte, die einem Politiker erst im Lauf seiner Amtszeit zuwachsen. Wenn das Amt die Person erhoben und eingeholt hat, sind nicht mehr Authentizität, Empathie und Transparenz nötig, sondern das Gegenteil davon. Mit dem Rauswurf ihres Umweltministers hat Merkel Kurs auf das Modell „eiserne Lady“ genommen. In Krisenzeiten steht das einem Land ganz gut.

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