Zypern : Dagobert-Effekt

Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hat man sich an große Zahlen gewöhnt. Auch in Europa werden ja nur noch Milliardenbeträge verteilt. Mag also sein, dass es an einer Art kollektivem Dagobert-Effekt liegt, dass sich niemand wundert, warum das kleine Zypern zum Überleben vor Ostern 17,5 Milliarden Euro und zwei Wochen später fünf Milliarden Euro mehr benötigt. Am Freitag haben die Finanzminister der Hilfe zugestimmt und auch im Bundestag sieht alles nach Routine aus. Wichtig scheint einzig, dass die Zyprer und nicht etwa wir die zusätzlichen fünf Milliarden beschaffen. Dabei will man doch wissen, wie es zu einem so stattlichen Mehrbedarf kommt. Hat sich jemand verrechnet, war es Absicht? Und vor allem: Ist das Finanzloch vielleicht sogar noch größer – und so gut versteckt, dass es nicht einmal den Experten der Troika aufgefallen ist, die wochenlang den Finanzbedarf vor Ort berechnet haben? Die Glaubwürdigkeit aller europäischen Rettungsaktionen in der Bevölkerung beruht auf dem Eindruck, dass nach jahrelangem Tricksen nun sauber gerechnet und kontrolliert wird. Wenn die Schludrigkeit weitergeht – und geht es auch nur um Milliarden –, könnte dies das ganze Hilfssystem zum Einsturz bringen. asi

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