Der Tagesspiegel : Meister der Trickfiguren mit staatlichem Siegel Ausbildung zum Digital-Künstler in Elstal erhält als erste Privathochschule die Anerkennung des Kulturministeriums

Tilmann Warnecke

Elstal. Im kleinen Ort Elstal westlich Berlins lernen Computerwesen laufen. Aus Datenketten erzeugt, sollen sie so lebensecht wie möglich wirken, ja, zum Kinohelden taugen. So, wie der tapsige Hauself Dobby in der Harry-Potter-Verfilmung oder wie Gollum im „Herrn der Ringe“. Das ist die hohe Kunst – und die erlernen 90 Studenten an der „German Film School“ in Elstal. Sie werden zum Digital Artist – „Digital- Künstler“ – ausgebildet, und das jetzt mit dem Siegel der Brandenburger Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Die Schule erhielt als erste private Hochschule des Landes die staatliche Anerkennung.

Digital-Künstler sind „die Schnittstelle zwischen den traditionellen Filmschaffenden und den technischen Fachleuten“, so formuliert Bernd Willim, der die Hochschule vor drei Jahren gründete und sie seitdem leitet. Sie entwickeln die Animation, stimmen sich mit den Regisseuren ab, kommunizieren mit den Spezialisten am Rechner.

Sechs Semester dauert die Ausbildung. Jährlich nehmen bis zu zwanzig Hochschüler ihre Studium auf und lernen dann nicht nur, Kunst und Technik zu vereinbaren, sondern auch das finanziell Machbare im Auge behalten. „Das komplette Know-how, wie man Film- und Fernsehproduktionen durchführt“, sagt Willim, der auch als Dozent an der Berliner Universität der Künste lehrt. Die Nachwuchskünstler pauken deswegen neben 3D-Animationen, Zeichentrick und Graphikdesign auch Kunstgeschichte und Rhetorik. Neun Übungsfilme drehen sie während des Studiums. 21 Preise heimsten die Elstaler auf Festivals bereits ein. Ein Hochschüler zeigte sein Werk auf dem Talente-Campus der letzten Berlinale, und auch Zuschauer des Berliner U-Bahnfernsehens sehen regelmäßig in Elstal produzierte Kurzfilme.

Das Studium ist allerdings nicht billig. 42 000 Euro kostet es, also rund 1400 Euro im Monat. Interessenten müssen bei ihrer Bewerbung deshalb auch ausreichende finanzielle Mittel nachweisen. Dafür betreuen aber auch achtzig Dozenten neunzig Hochschüler. Und ab und an schauen auch Hollywood-Größen wie der Animationschef des Antiken-Spektakels „Gladiator“ als Lehrkräfte vorbei. Die staatliche Anerkennung der Schule ist daher vor allem für die Studenten wichtig: Sie können jetzt Bafög beantragen und so einen Teil der Studiengebühren ausgleichen. Willim rechnet nach der staatlichen Anerkennung mit einer Steigerung der Bewerberzahlen: „Viele Eltern schicken ihre Kinder doch lieber auf eine Hochschule, die ein staatlich anerkanntes Diplom anbietet.“

Bei den ersten Absolventen der Hochschule, die im Frühjahr ihr Diplom überreicht bekamen, klopfte Hollywood allerdings bisher nicht an. Sie arbeiten auf dem freien deutschen Filmmarkt, wobei ihnen auch die Kenntnisse in Steuerrecht und Buchführung zugute kommen, die ebenfalls zum Programm der Schule gehören. Die zweite Runde von Studierenden schließt im Herbst die Ausbildung ab und hat schon Angebote: Das Studio Babelsberg bat einige bereits um die Mitarbeit bei einer der nächsten größeren Filmproduktionen.

Wo heute die Studenten leben, die den Computerwesen das Laufen beibringen, stand übrigens schon mal Bewegung im Mittelpunkt: Einige wohnen im ehemaligen Olympischen Dorf der Spiele von 1936.

Weitere Informationen im Internet: www.filmschool.de

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