Menschenrechte : Mütter von Beslan klagen gegen Moskau

Über 300 Menschen starben 2004 beim Geiseldrama von Beslan im Kaukasus, darunter viele Kinder. Hinterbliebene ziehen nun vor das Menschenrechtsgericht. Sie werfen der russischen Regierung Versagen vor.

StraßburgFast drei Jahre nach dem blutigen Ende der Geiselnahme in einer Schule der Kaukasus-Stadt Beslan haben Mütter und andere Hinterbliebene der Opfer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Wie eine Sprecherin des Straßburger Gerichts mitteilte, werfen die 89 Kläger Moskau vor, mit dem Einsatz einer Anti-Terror-Einheit gegen die pro-tschetschenischen Geiselnehmer das Blutbad mit verursacht zu haben.

In der Schule waren 332 Menschen - unter ihnen 186 Kinder - getötet worden, als die russischen Ordnungskräfte im September 2004 am dritten Tag der Geiselnahme das Gebäude stürmten. Der Gerichtshof wird nun zunächst prüfen, ob die Klage zulässig ist. Wird diese Frage bejaht, untersuchen die Straßburger Richter unter anderem, ob Russland mit dem Einsatz des Sonderkommandos gegen das Recht der Geiseln auf Schutz des Lebens verstoßen hat.

Das russische Parlament hatte im vergangenen Dezember seine Ermittlungen abgeschlossen. Der Parlamentsbericht bestritt die Aussage mehrerer Augenzeugen, wonach das Sonderkommando den Tod zahlreicher Geiseln in Kauf genommen hatte. (mit AFP)