Menschenrechte : Scharfe Rotkreuzkritik an Birma

Ungewöhnlich scharf hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Verstöße gegen die Menschenrechte in Birma angeprangert.

Rangun/GenfUngewöhnlich scharf hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Verstöße gegen die Menschenrechte in Birma angeprangert. Die Organisation habe ihre Kritik mehrfach und wie üblich vertraulich an die Regierung in Rangun gerichtet, jedoch sei daraufhin nie etwas geschehen, schrieb IKRK-Präsident Jakob Kellenberger an das Militärregime. Dagegen äußerte sich eine UN-Beauftragte zum Abschluss ihres fünftägigen Besuch in Rangun optimistischer. Sie habe mit der Regierung einen Dialog über das Problem der Kindersoldaten in Birma begonnen, sagte Radhika Coomaraswamy.

Kellenberger warf der birmanischen Regierung vor, Gefangene wie Sklaven in der Armee zu halten. "Der andauernde Einsatz von Gefangenen als Träger in der Armee gibt Anlass zu großer humanitärer Sorge", schrieb Kellenberger. Die Gefangenen würden bis an die Grenze der Erschöpfung ausgenutzt, schlecht ernährt und im Kampf der Armee gegen Separatisten oft in den Tod geschickt. Auch entlang der thailändischen Grenze, wo das Regime im November 2005 eine Offensive gegen die Minderheit des für Autonomie kämpfenden Karen-Volkes begonnen hatte, würden die Menschenrechte mit Füßen getreten.

Birma wird seit 1962 vom Militär regiert

"Ich forderte die Regierung von Birma auf, alle Verletzungen der internationalen Menschenrechtsgesetze zu beenden und sicherzustellen, dass sie nicht wieder passieren", schrieb Kellenberger. Alle anderen Regierungen erinnerte er an ihre Verpflichtung nach den Genfer Konventionen, Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern nicht hinzunehmen.

Birma steht seit 1962 unter Militärherrschaft und ist immer wieder wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit und dem Einsatz von Kindern in der Armee angeprangert worden. Die UN-Beauftragte sagte, ihr Besuch sei ein Anfang, um das Thema Kinderschutz mit den Behörden Birmas zu erörtern. Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen will den Einsatz von Kindern in der Armee und bei Separatistenverbänden prüfen und im November der UN-Arbeitsgruppe über Kinder in bewaffneten Konflikten vorlegen. (mit dpa)