Der Tagesspiegel : Menschenschädel im Sperrmüll: Verdacht gegen Satanisten

Grausiger Fund erinnert viele Finsterwalder an „Schwarze Messen“

Sandra Dassler

Finsterwalde. „Vielleicht ist ja ein ehemaliger Grufti zur Besinnung gekommen“, witzelt ein Finsterwalder Müllfahrer. Dabei war seinen Kollegen wirklich nicht nach Scherzen zumute, als sie am Montag dieser Woche im Sperrmüll der Sängerstadt einen skelettierten Menschenschädel und einen Oberschenkelknochen fanden.

Die Gebeine werden inzwischen gerichtsmedizinisch untersucht. Ein „aktuelles Verbrechen“ schließt die Polizei nach ersten Ermittlungen allerdings aus. Man vermute, dass der Schädel schon etwas älter sei, sagte eine Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft. Das bedeute aber nicht, dass hinter dem Fund kein Verbrechen stünde – und sei es eine Grabschändung beziehungsweise eine Störung der Totenruhe.

Dass in Finsterwalde viele Menschen so etwas vermuten und sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, so die Sprecherin, auch in diese Richtung bewegen, hat Gründe: Im November 1996 nahmen Polizisten auf dem Friedhof von Finsterwalde um Mitternacht zwei Mädchen und drei Jungen zwischen 16 und 18 Jahren fest, die mit einem Rucksack voll menschlicher Knochen unterwegs waren. In den Vernehmungen sagten sie, sie hätten nur ihre „Gefühle ausleben“ wollen.

Die Jugendlichen gehörten zur „Satanisten-Szene“, die damals häufig von sich reden machte. So beschmierten Mitglieder der Sekte im Januar 1996 den Altar der St.-Katharinenkirche mit Satanszeichen. In der Nacht zum 30. Juni desselben Jahres zelebrierten sie eine „Schwarze Messe“, bei der sie Gräber schändeten und Leichenteile herumliegen ließen. Als wenig später ein aus menschlichen Knochen zusammengebundenes Kreuz auf dem Kopf stehend ein Grab verunzierte, gründete die Polizei die Soko „Friedhof“. Kriminalisten aus Cottbus und Finsterwalde überraschten die Satansjünger auf frischer Tat und bereiteten dem Spuk ein Ende.

Seitdem haben die Toten in Finsterwalde wieder ihre Ruhe. Aus den meisten Friedhofsschändern sind, so sagen die Einheimischen, inzwischen „normale Menschen“ geworden. Aber einigen von ihnen traut man offenbar zu, einen von damals „übrig gebliebenen“ Schädel jetzt im Sperrmüll zu entsorgen. Dafür spricht auch, dass der Container, in dem die Gebeine gefunden wurde, ganz in der Nähe eines Hauses stand, in dem ehemalige Gruftis wohnten.

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