Merkel in Indien : "Ich finde offene Türen für uns vor"

Angela Merkel will die Beziehungen zwischen Deutschland und Indien auf breiter Front ausbauen. Nach einem Staatsempfang betonte die Kanzlerin die große Aufgeschlossenheit Indiens gegenüber Deutschland vor und ermunterte zugleich indische Unternehmen zu Investitionen.

Stefan Uhlmann[ddp]
Merkel Foto: dpa
Großer Bahnhof für die Kanzlerin. -Foto: dpa

Neu-DelhiIhr Besuch in Indien solle dazu beitragen, die "strategische Partnerschaft" zwischen beiden Ländern zu intensivieren, sagte Merkel in Neu-Delhi. Merkel wurde am Morgen am Präsidentenpalast von Indiens Premier Manmohan Singh mit militärischen Ehren empfangen. Singh hatte die Visite zum Staatsbesuch aufgewertet. Nach der Begrüßung legte Merkel an der Einäscherungsstätte von Mahatma Gandhi, den Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, einen Kranz nieder und trug sich in das Gästebuch der Stätte ein.

Anschließend schickten Merkel und Singh einen "Wissenschaftszug" auf die Reise durch Indien. Bis Anfang Juni 2008 soll der Zug als rollende Ausstellung den Menschen in 56 indischen Städten wissenschaftliche Themen nahebringen. Merkel sagte: "Wir wollen mit diesem Zug junge Menschen begeistern für wissenschaftliche Themen und auch für Ausbildung im wissenschaftlichen Bereich, und zwar für Ausbildungsmöglichkeiten sowohl in Indien als auch in Deutschland."

Merkel hob auf einem Wirtschaftsforum hervor, sie finde in Indien eine große Aufgeschlossenheit gegenüber Deutschland vor. Indien wolle mit Deutschland auf der gesamten Bandbreite von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenarbeiten. Die Beziehungen seien "keine Schmalspurstrecke". "Ich finde offene Türen für uns vor", sagte Merkel.

Die Kanzlerin mahnte zugleich einen Abbau von bürokratischen Hemmnissen für Investitionen in Indien an. Dies wäre vor allem für mittelständische Firmen wichtig, um sich hier zu engagieren. Der Forderung schloss sich BASF-Chef Jürgen Hambrecht an. Zugleich sah der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA) der deutschen Wirtschaft großes Potenzial für deutsche Unternehmen in Indien: "Das Land der Ideen trifft das Land der Chancen", sagte Hambrecht. Merkel betonte die Bereitschaft der deutschen Wirtschaft, sich beim Ausbau von Straßen- und Schienennetz sowie im Bank- und Versicherungssektor zu engagieren.

Merkel rief indische Firmen auf, in Deutschland zu investieren. "Fühlen Sie sich in Deutschland willkommen", sagte Merkel. Deutschland sei ein "wirklich offenes Land". Bislang haben hier etwa 240 indische Firmen vor allem in die Bereiche Informationstechnologien, Pharma und Autozulieferer investiert. Umgekehrt haben rund 2000 deutsche Firmen Joint-ventures mit indischen Partnern gegründet.

Ein wichtiger Partner sei Indien für Deutschland auch beim Klimaschutz, unterstrich die amtierende G8-Präsidentin. Indien messe dem Thema eine große Aufmerksamkeit bei und habe den großen Wunsch, bei Technologien, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zusammenarbeiten. Merkel hatte im Sommer den Vorstoß von Singh aufgegriffen, der beim Klimaschutz eine Orientierung am Pro-Kopf-Ausstoß angeregt hatte.

Die Kanzlerin betonte nicht zuletzt die große Rolle Indiens bei der Lösung regionaler Konflikte in Asien. Mit Indiens Außenminister Pranab Mukherjee sprach die Kanzlerin über die Lage in Birma. Gemeinsam sei man der Ansicht, dass dort politische Gefangene freigelassen werden müssten und dass Birma vorbehaltlos mit der UNO zusammenarbeiten sowie einen "ernsthaften friedlichen Reformweg" einschlagen sollte.