Merkel in Japan : Schulterschluss im Kampf gegen Treibhausgase

Deutschland und Japan wollen sich als Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel gemeinsam für einen Abbau der Treibhausgase einsetzen. Bei den Klimaschutzplänen der beiden Nationen gibt es nur geringfügige Differenzen.

Merkel Abe
Bundeskanzlerin Merkel an der Seite des japanischen Ministerpräsidenten Abe kurz nach ihrer Ankunft in Japan. -Foto: dpa

TokioDie Kanzlerin, die nach ihrem dreitägigen China-Aufenthalt am Mittag in der japanischen Hauptstadt gelandet war, begrüßte auch Abes Ankündigung, sich weiter an der internationalen Anti-Terror-Operation Enduring Freedom zu beteiligen. Japanische Schiffe hatten in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang die deutschen Schiffe betankt, die am Horn von Afrika die internationalen Seewege sichern. Wegen dieser Zusage steht der innenpolitisch angeschlagene Abe unter zusätzlicher Kritik.

Merkels Besuch in Japan steht neben dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und der Abstimmung in den internationalen Krisen vor allem im Zeichen der deutschen G-8-Präsidentschaft. Japan übernimmt mit dem Jahreswechsel den Vorsitz der Runde der acht führenden Wirtschaftsnationen. Merkel sagte, beide Seiten wollten bis zum nächsten G-8-Gipfel in Japan im Sommer nächsten Jahres "versuchen, den Weg zu gestalten".

Deutschland, die übrigen EU-Länder und Japan sind die Länder in der Welt, die sich bislang in der Frage der Treibhausgase am deutlichsten für die Vereinbarung von konkreten Abbauzielen stark machen. Abe hatte vor dem G-8-Gipfel von Heiligendamm einen Plan zur Reduzierung der Treibhausgase um die Hälfte bis 2050 vorgesehen. Dieses Ziel verfolgt auch die Bundesregierung. Einziger Unterschied: Als Basisjahr für die Berechnung will Merkel das Jahr 1990, Abe das Jahr 2007 festschreiben. 1990 käme Deutschland zu Gute, weil damals noch die Umweltbelastungen aus DDR-Zeiten zu spüren waren.

Japan will "flexiblen" Beitrag der Entwicklungsländer

Abe trat für die Einbeziehung aller Treibhausgaserzeuger in das Nachfolgeabkommen von Kyoto ein, das 2012 ausläuft. Auch die Entwicklungsländer müssten einbezogen werden. Ähnlich wie Merkel bei ihrem China-Besuch formulierte auch Abe, dass die Länder dabei einen "flexiblen" Beitrag leisten müssten. Merkel hatte den Schwellen- und Entwicklungsländern zugestanden, dass die Industrieländer im Kampf gegen den Klimawandel vorangehen müssten, aber auch die aufstrebenden Staaten nach ihren Möglichkeiten einen Beitrag leisten müssten. Merkel betonte mit Blick auf die nach wie vor zögerliche Haltung der USA, Europa könne nicht allein den Klimawandel aufhalten.

Durch den Besuch Merkels erhofft sich die deutsche Wirtschaft neue Impulse im Japan-Geschäft. In die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde mit 128 Millionen Einwohnern exportiert die deutsche Wirtschaft verhältnismäßig wenig Waren. In der Rangliste der wichtigsten Exportländer für die deutsche Wirtschaft liegt Japan nur auf Platz 16 und damit weit hinter China. Japan hatte am selben Tag ein Interesse an einem Freihandels-Abkommen mit der EU gezeigt. Merkel reagierte zurückhaltend.

Vor ihrer Weiterreise nach Tokio hatte Merkel am Vormittag mit der Eröffnung einer Tochterfirma des Siemens-Konzerns in Nanjing ihren China-Besuch beendet. In der chinesischen Millionenstadt sagte Merkel, es sei bei ihrem Besuch deutlich geworden, welche Dynamik in dem chinesischen Markt stecke. In der 75 Millionen Euro teuren Fabrik in Nanjing stellt das Siemens-Unternehmen Komponenten zur Systemsteuerung von Maschinen her. Unternehmen wie dieses sind nach Auffassung der Kanzlerin wichtig für die Entwicklung der Volksrepublik, seien aber auch von Vorteil für die deutsche Wirtschaft. (mit dpa)