Merkel-Reise : "Indien ist ein Land mit riesigen Chancen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren ersten Indien-Besuch als großen Erfolg gewertet. Sie sieht die Beziehungen zu dem erwachenden Riesen gestärkt und sagte weitere Unterstützung zum Beispiel bei den Kleinkrediten und dem Unweltschutz zu.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht auf ihrer Indien-Reise auch die Bank für ländliche Entwicklung (Nabard). -Foto: AFP

Bombay"Die Reise in Indien hat aus meiner Sicht einen Schub gebracht für die Beziehungen zwischen Deutschland und Indien", sagte Merkel (CDU) zum Abschluss ihrer viertägigen Visite. "Indien ist ein Land mit riesigen Chancen." Das weltweite Gewicht Indiens werde in den nächsten Jahren zunehmen. Als Pfeiler der strategischen Partnerschaft nannte sie die intensiven politischen Kontakte, die Chancen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Entwicklungshilfe. Die Kanzlerin wollte am Nachmittag nach Deutschland zurückkehren.

Merkel sagte Indien weitere deutsche Unterstützung etwa bei Kleinkrediten und Umweltschutz zu. Die Kanzlerin betonte, ein zentrales Problem sei, inwieweit alle Inder von der wirtschaftlichen Stärke des Landes profitieren könnten. Im Kampf gegen die weltweite Armut müssten in Großstädten mehr Wohnraum, eine bessere Wasser- und Gesundheitsversorgung sowie mehr Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden. "Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab", sagte sie bei der Verleihung des "Deutsche Bank Urban Age Award", eines Stadtentwicklungspreises der Deutschen Bank in Bombay.

Merkel: Große Chancen für die deutsche Wirtschaft

"Der soziale Zusammenhalt ist eine der ganz großen Aufgaben, deshalb muss der integrative Ansatz im Vordergrund stehen", betonte Merkel. Jeder dritte Stadtbewohner lebe derzeit in Slums. Dies könne nur von Politik, Wirtschaft und Bürgern gemeinsam gelöst werden. Deutschland könne dabei helfen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verlieh den mit 100.000 Dollar dotierten Preis an zwei indische Stadtentwicklungsprojekte aus Bombay.

Merkel sieht große Chancen für die deutsche Wirtschaft in Indien. "Wir werden die Türen noch weiter öffnen für deutsche Unternehmen", sagte sie. Deutschland müsse seine Chancen nutzen, weil auch die USA und Japan als Partner um Indien werben. Merkel hatte am Dienstag mit dem indischen Premierminister Manhmohan Singh eine engere Partnerschaft bei der Lösung internationaler Konflikte, im Klimaschutz und in der Wissenschaft vereinbart. Deutschland und Indien wollen ihr gegenseitiges Handelsvolumen innerhalb von fünf Jahren auf 20 Milliarden Euro verdoppeln. Merkel wurde bei ihrer Indien-Visite von rund 30 deutschen Top-Managern begleitet.

"Bei Doha haben wir eine Chance"

Wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz in Bali sieht Merkel noch Hürden für einen erfolgreichen Abschluss im Kampf gegen Klimawandel. "Jetzt müssen wir noch viel bis Dezember an der Stelle arbeiten", sagte sie. Indien wolle dabei helfen, dass es erfolgreiche Gespräche für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls nach 2012 geben werde. Bei der Doha-Welthandelsrunde hält die Kanzlerin trotz der bisher schleppenden Gespräche einen Erfolg noch für möglich. "Bei Doha haben wir eine Chance, aber das Zeitfenster ist knapp." Indien habe zugesagt, an der Lösung mitzuwirken. (mit dpa)