Migranten : Verdeckte Diskriminierung mindert Berufschancen

Einer OECD-Studie zufolge gibt es in Deutschland noch immer verdeckte Diskriminierung. Selbst Migranten mit deutschem Hochschulabschluss tun sich auf dem Arbeitsmarkt deutlich schwerer.

BerlinVerdeckte Diskriminierung ist nach einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) ein Grund für die Probleme von Migranten auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Selbst Migrantenkinder, die ihre komplette Ausbildung in Deutschland absolviert haben, hätten geringere Jobchancen als Bewerber ohne Migrationshintergrund mit dem gleichen Bildungsniveau, erklärte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig bei der Präsentation der Studie.

Es habe zwar in den vergangenen Jahren erhebliche Verbesserungen im Bereich der Integration gegeben, trotzdem müsse Deutschland diese Nachteile noch entschlossener ausgleichen. "Um Diskriminierung zu bekämpfen, kann auch ein verantwortungsvoller öffentlicher Diskurs einen wichtigen Beitrag leisten." Neben Sprachtraining und guter Berufsausbildung gehöre dazu auch ein möglichst früher Kontakt zum Arbeitsmarkt: Deshalb sollte es speziell auf Zuwanderer zugeschnittene Praktikumsprogramme geben, sagte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. "Es ist wichtig, dass Migranten zeigen können, was sie leisten können."

Viel mehr Bewerbungen bis zum Vorstellungsgespräch

Der OECD-Studie zufolge ist die Qualifikationsstruktur der Zuwanderer im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung nur in wenigen Ländern so ungünstig wie in Deutschland, dem nach der USA zweitgrößten Zuwanderungsland. Zudem sei die Beschäftigung von Zuwanderern überdurchschnittlich starken Schwankungen unterworfen. "Migranten müssen mit einer deutlich geringeren Beschäftigungsstabilität leben als Menschen ohne Migrationshintergrund", sagte Liebig.

Um überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, müssten Zuwanderer drei bis vier Mal mehr Bewerbungsschreiben verschicken als andere Bewerber. Den Grund dafür vermutet Liebig in Vorurteilen auf der Arbeitgeberseite. Selbst mit Hochschulabschluss täten sich Migranten schwer bei der Jobsuche: Die Arbeitslosenquote studierter Zuwanderer sei fast drei Mal höher als die von Akademikern ohne Migrationshintergrund. Trotz erheblicher Fortschritte bei der Integration "sollte Deutschland diese Nachteile noch entschlossener ausgleichen", empfahl Liebig. (mit dpa/AFP)