Militär : Nato verkleinert schnelle Eingreiftruppe

Viele Nato-Staaten, darunter auch Deutschland, sind in weltweiten Einsätzen gebunden und überfordert. Das Bündnis verkleinert daher seine Krisen-Reaktionstruppe für Terroranschläge und Naturkatastrophen.

NoordwijkDie Verteidigungsminister der 26 Mitgliedstaaten verständigten sich im niederländischen Seebad Noordwijk, von ursprünglich geplanten 25.000 Elitesoldaten nur noch einen "Kern" sofort einsatzbereit zu halten, wie Nato-Sprecher James Appathurai sagte. Dazu soll eine Reserve kommen. Die genaue Stärke der Truppe sollen die Militärchefs bis zum Nato-Gipfel im April in Bukarest festlegen. Deutschland begrüßt den Schritt. Wie die Bundesrepublik haben viele Bündnisstaaten ihre Truppenstärke in Einsätzen von Afghanistan bis zum Kosovo weitgehend ausgeschöpft.

Die schnelle Eingreiftruppe "Nato Response Force" (NRF) galt als Vorzeigeprojekt bei der Umwandlung der Allianz von einer Organisation des Kalten Krieges in ein modernes Verteidigungsbündnis mit weltweiten Einsätzen. Die Allianz hatte die Krisen-Reaktionstruppe im November vergangenen Jahres beim Riga-Gipfel für voll einsatzbereit erklärt. In abgespeckter Form kann sie vorerst nur noch beschränkt Einsätze bei Terroranschlägen oder Naturkatastrophen übernehmen. Die Elitesoldaten sollen innerhalb von fünf Tagen ausrücken. Die NRF war bisher zweimal im Einsatz: Nach dem Wirbelsturm Katrina in den USA im Sommer 2005 und dem schweren Erdbeben in Pakistan im Herbst desselben Jahres.

Verkleinerung nur "vorübergehend"

Nach Angaben von Nato-Sprecher Appathurai ist die Reduzierung der Krisentruppe nur "vorübergehend". In Verhandlungskreisen war dagegen zu hören, der Schritt sei "dauerhaft". Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) befürwortet den Schritt. "Wir begrüßen das", hieß es aus deutschen Regierungskreisen.

Beim Nato-Russland-Rat will die Allianz am Freitagmittag mit dem russischen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow zusammentreffen. Thema waren dabei die umstrittenen Pläne für einen US-Raketenschild in Osteuropa. US-Verteidigungsminister Robert Gates zeigte sich laut Diplomaten in Noordwijk zuversichtlich, dass Moskau auf das Angebot einer verstärkten Zusammenarbeit eingehen werde. Der Pentagonchef hatte am Dienstag in Prag eine "russische Präsenz" in Tschechien und Polen angeboten. Präsident Wladimir Putin bekämpfte die Raketenpläne bisher erbittert. (mit dpa/AFP)