Militär : Russland nimmt eigenes Raketenabwehrsystem in Betrieb

Die Wogen in der Diskussion um das von den USA geplante Raketenabwehrschild in Polen und Tschechien sind noch nicht geglättet, da überrascht Russland bereits mit einem eigenen Raketenabwehrsystem.

Moskau Russland hat mitten im Streit um US-Raketenabwehrpläne in Mitteleuropa sein neues Abwehrsystem S-400 "Triumph" in Dienst genommen. Das neuartige Raketenabwehrsystem solle zunächst Moskau vor möglichen Angriffen schützen, sagte der Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte, Alexander Selin, nach Angaben der Agentur Interfax. Bis 2015 will Russland mit dem "Triumph"-System alle wichtigen Industriezentren des Landes schützen. Es dient zur Bekämpfung aller Typen von Flugzeugen, Drohnen und Raketen und ist mit hochmodernen Selbstlenkraketen ausgestattet.

S-400 könne Flugkörper ab einer Höhe von zehn Metern bekämpfen und sei damit anderen mobilen Systemen überlegen, sagte Selin. Russland habe diesen Luftabwehr-Komplex mit mehr als 50 Raketenstarts in den vergangenen Jahren erprobt. Der Prototyp in Moskau sei zunächst mit zwei Raketen bestückt, drei weitere seien noch in der Testphase.

Russland hat in den vergangenen Monaten im Streit mit den USA um deren Raketenabwehrpläne in Polen und Tschechien wiederholt seine militärischen Möglichkeiten demonstriert. Der Kommandeur der Luftstreitkräfte schloss nicht aus, dass das neue System auch bei gemeinsamen Raketenabwehrprojekten Russlands mit der Nato zum Einsatz kommen könnte. Das S-400 biete besseren Schutz gegen feindliche Störsignale und eine größere Schussweite als Vorgängermodelle.

US-russische Verhandlungen für September geplant

Moskau will die Stationierung amerikanischer Raketen in Polen und eines Radars in Tschechien verhindern, da es die eigene Sicherheit dadurch bedroht sieht. Das in Mitteleuropa geplante System soll nach US-Angaben etwaige Raketenangriffe beispielsweise aus Iran abwehren. Moskau hat Washington eine Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr angeboten. Im September wollen beide Seiten über die Vorschläge weiter verhandeln.

Russland wertete es am Montag als Erfolg seiner Politik, dass der amerikanische Kongress am Wochenende die von Präsident George W. Bush geforderten Mittel für den Aufbau einer Raketenabwehranlage in Mitteleuropa um 139 Millionen Dollar kürzte. Die Entscheidung der Kongressabgeordneten sei nicht nur von der Ablehnung Moskaus, sondern auch von den offenen Verhandlungen mit den betroffenen Ländern beeinflusst worden, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates, Michail Margelow. (mit dpa)