Millionenverluste : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vorstände der WestLB

Millionenschwere Verluste durch Fehlspekulationen: Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Vorstände der WestLB offiziell Ermittlungen aufgenommen. Der Vorwurf: Sie sollen die Risiken gegenüber dem Aufsichtsrat verschwiegen haben. Auch gegen Ex-Chef Fischer wurde offenbar ein Verfahren eingeleitet.

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vorstand der WestLB. -Foto: dpa

DüsseldorfIn der Affäre um die hohen Verluste im Aktien-Eigenhandel der WestLB wird gegen den gesamten damaligen Vorstand der Düsseldorfer Landesbank ermittelt. Die Ermittlungen seien auf sieben ehemalige oder noch amtierende Vorstände ausgeweitet worden, bestätigte Oberstaatsanwalt Arno Neukirchen einen Bericht des "Handelsblatts". Unter den Verdächtigen ist auch der damalige WestLB-Chef Thomas Fischer. Den Vorständen, von denen drei noch im Amt sind, wird vorgeworfen, gegen das Aktiengesetz verstoßen zu haben. Sie hätten die Informationspflichten des Vorstands gegenüber dem Aufsichtsrat verletzt.

Der damalige Vorstand soll den Aufsichtsrat unzureichend über das Ausmaß und die Folgen der Fehlspekulationen unterrichtet haben. WestLB-Chef Fischer und ein weiteres Vorstandsmitglied waren Ende Juli abberufen worden. Zwei weitere Vorstandsmitglieder von damals sind ebenfalls nicht mehr dabei. Nachfolger Fischers ist Alexander Stuhlmann, der Ende Juli neu in den Bankkonzern kam.

Bisher nur Ermittlungen gegen Aktienhändler

Bislang hatte die Staatsanwaltschaft wegen der Spekulationsgeschäfte gegen zwei Aktienhändler ermittelt, die von der Bank fristlos entlassen und angezeigt worden waren. Sie sollen für ihre Spekulationen die Handelslimits wiederholt überschritten haben. Anfang April waren die Vorgänge öffentlich bekannt geworden. Die WestLB hatte auf die Kursdifferenzen zwischen Vorzugs- und Stammaktien bei Werten wie Volkswagen spekuliert und daher große Positionen an Vorzugsaktien aufgebaut.

Die Spekulation schlug fehl, bislang wurde ein Verlust von 243 Millionen Euro verbucht. Ex-Bank-Chef Thomas Fischer hatte von einem "Anschlag auf die Bank" gesprochen. Täter hätten Insider-Wissen verraten, mit dem dann gegen die WestLB spekuliert worden sei.

Mögliche Verluste von 500 Millionen Euro

Bankenkreise rechnen damit, dass sich der Verlust auf 500 Millionen Euro erhöhen könnte. An diesem Donnerstag legt die WestLB ihre Halbjahreszahlen vor. Zudem will sich der Finanzausschuss des NRW-Landtags mit der Landesbank befassen. Bereits Ende Juli war über eine Abberufung des gesamten Vorstands spekuliert worden, nachdem Sonderprüfer einen Zwischenbericht vorgelegt hatten.

Die WestLB war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Aufsichtsratschef Rolf Gerlach wollte zu den Ermittlungen gegen sieben ehemalige oder noch amtierende WestLB-Vorstände keine Stellungnahme abgeben. Ein Sprecher Gerlachs verwies auf die Bank. (mit dpa)