Misshandlungs-Prozess : Verteidiger von Bundeswehr-Ausbildern fordern Freispruch

Sie überfielen die Rekruten, fesselten und missshandelten sie. Nur ein Rollenspiel, sagen die Verteidiger der Ausbilder. Und plädieren auf Freispruch.

MünsterIm Prozess um die Misshandlung von Bundeswehr-Rekruten in einer Coesfelder Kaserne hat die Verteidigung Freisprüche für vier der Angeklagten verlangt. Die Ausbilder hätten lediglich auf Befehl gehandelt. Die allermeisten Rekruten hätten die Behandlung während einer simulierten Geiselnahme bei einer Gefechtsübung im Juni 2004 weder als demütigend noch als körperlich über die Maßen belastend empfunden, lautete der Tenor der Verteidiger bei ihren Plädoyers vor dem Landgericht Münster.

Sie kritisierten die Anklage als in Teilen abwegig. Die Anklagebehörde hatte in ihrem Plädoyer ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung für einen der Angeklagten sowie Geldstrafen von 4800 und 5400 Euro für die drei anderen verlangt. Die geforderte Strafzumessung sei "nicht nachvollziehbar", sagte einer der Verteidiger. Von Exzessen sprach dagegen der Staatsanwalt..

Der Prozess am Landgericht Münster gilt als größter Strafprozess in der Bundeswehr-Geschichte. Insgesamt waren 17 Ausbilder und der ehemalige Kompaniechef im Range eines Hauptmannes wegen Körperverletzung und Misshandlung Untergebener angeklagt. Zwei Verfahren wurden bereits eingestellt, ein weiteres wegen Erkrankung des Angeklagten abgetrennt. Am 27. August sollen die ersten vier Urteile gesprochen werden. Die letzten werden im Dezember erwartet.

Die Anklage wirft den Ausbildern unter anderem vor, bei einer simulierten Geiselnahme Rekruten überfallen, gefesselt und die Augen verbunden zu haben. Einer soll Rekruten Wasser in den gewaltsam geöffneten Mund gepumpt haben. Die Anklage sieht darin den Tatbestand der Körperverletzung. Die Verteidigung ist der Auffassung, es handelte sich lediglich um ein Rollenspiel im Rahmen der Ausbildung. (mit dpa)