Der Tagesspiegel : Mission Babelsberg

Die neuen Studio-Eigentümer pflegen den Mythos – als nüchterne Unternehmer

Henrik Mortsiefer

Potsdam - Die neuen Eigentümer der Filmstudios Babelsberg nehmen ihre Mission ernst. Der Mythos des Standortes soll leben – aber er braucht ein solideres unternehmerisches Fundament als in der Vergangenheit. Entsprechend nüchtern fiel am Montag die 100-Tage-Bilanz von Carl Woebcken und Christopf Fisser aus, die die Studios im Sommer vom französischen Vivendi-Konzern gekauft haben.

„Wir bekennen uns zur Fortführung der Tradition und verstehen uns als Full- Service-Anbieter für nationale und internationale Kino- und Fernsehproduktionen“, so formulieren die beiden Unternehmer ihr „Mission Statement“. Um ihre strategischen Motive hatte es monatelang Rätselraten gegeben. Das Ziel, bis 2006 das defizitäre Studio wieder profitabel zu machen, sei jedenfalls bei „realistischer und konservativer Planung“ erreichbar, sagte Woebcken am Montag in Babelsberg. Für 2005 gebe es bereits eine „sehr gute Auftragsanbahnung“.

Henning Molfenter, Geschäftsführer von Studio Babelsberg Motion Pictures mit guten Beziehungen nach Hollywood, stimmte ein: „Wir können sehr viel selbstbewusster als vor Monaten auftreten.“ Derzeit werden unter Beteiligung von Studio Babelsberg die Kinofilme „Flightplan“ mit Jodie Foster und „Aeon Flux“ gedreht. Auch das unterbrochene Paramount-Projekt „Mission Impossible III“ geht Molfenter zufolge nicht verloren. „Paramount wird das schon investierte Geld nicht wegwerfen.“ Die Dreharbeiten sollten eigentlich bereits in diesem Jahr beginnen, Molfenter erwartet dies nun im Spätsommer 2005. „Bis dahin können wir noch ein anderes größeres Projekt nach Babelsberg holen“, kündigte er an, ohne freilich zu sagen, worum es sich dabei handeln könnte.

Einsilbig blieben die Babelsberg-Geschäftsführer auch bei der Vorstellung ihrer Pläne für den Ausbau der Fernsehproduktion. Sicher ist, dass das so genannte „Tonkreuz“ mit den dazugehörigen vier Studios um- und ausgebaut wird. Bereits ab Frühjahr 2005 könnten dann zwei langlaufende TV-Serien nach dem Vorbild von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ parallel produziert werden. Neu und erfolgreich angelaufen ist das Geschäft mit Werbefilmen: Spots für das Mobilfunkunternehmen O2 und die Modemarke Prada wurden bereits in Babelsberg gedreht.

Insgesamt wollen Woebcken und Fisser rund fünf Millionen Euro investieren. Dabei sollen je zur Hälfte Eigenmittel und Kredite verwendet werden. Um die Kosten zu reduzieren, werden 20 der 220 Stellen abgebaut und Verwaltungsstrukturen gestrafft. Bei einem Umsatz, der 2004 bei 40 Millionen und im kommenden Jahr bei 45 Millionen Euro liegen soll, macht das Studio heute jeden Monat noch 200000 Euro Minus. „Bis 2006 sind wir aber über den Berg“, hofft Woebcken.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben