Missstände beim Landtagsneubau : Brandbrief von Potsdamer Schloss-Architekt

Ob Hauptstadtflughafen oder Staatsoper: kaum ein Projekt in der Hauptstadtregion läuft derzeit rund. Nun eskaliert auch noch der Streit um den Bau des Potsdamer Stadtschlosses.

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Schloss-Architekt Peter Kulka hat Missstände beim Landtagsneubau angeprangert: „Ich kann meine Pflicht nicht mehr wahrnehmen“.
Schloss-Architekt Peter Kulka hat Missstände beim Landtagsneubau angeprangert: „Ich kann meine Pflicht nicht mehr wahrnehmen“.Foto: dapd

„Anlass meines Schreibens an Sie ist, dass ich in der derzeitigen Situation meine Pflicht und meine Verantwortung als Architekt eines so bedeutenden öffentlichen Bauprojektes nicht mehr wahrnehmen kann“, heißt es wörtlich in dem Brief Kulkas vom 5. Juni 2012, der an Finanzministerium, Landtag und weitere Beteiligte ging. Dabei ist noch nicht einmal der Streit zwischen Brandenburgs Finanzministerium und der Baufirma BAM beigelegt, bei dem es um Mehrkosten in Millionenhöhe bei dem 130-Millionen-Projekt und um eine von der BAM bereits signalisierte spätere Fertigstellung geht, nämlich frühestens im Frühjahr 2014 statt im Herbst 2013. Nun platzt auch noch Kulka, der bislang vermittelnd eingriff, der Kragen.

In diesem Konflikt geht es vordergründig darum, dass Kulka ein selbst entworfenes modernes Treppengeländer im Foyer – statt eines um Sicherheitswände verkleideten alten Geländer-Nachbaus – präferiert und durchsetzen will. Das Finanzministerium hat dagegen sein Veto eingelegt und pocht laut Schreiben vom 5. Juni an die BAM auf die „Ausführung nach historischem Vorbild“, also auf das Schlossgeländer.

Doch vor allem liefert Kulka einen Einblick in Missstände, Spannungen und Abstimmungsdefizite bei dem neben dem Flughafen Willy Brandt wichtigsten öffentlichen Projekt Brandenburgs. So zieht Kulka, der auch das Dresdner Residenzschloss saniert, für den Parlamentsneubau in Potsdams Mitte ein bitteres Fazit: „Bei einem Bauvorhaben gibt es nichts Schlimmeres, als wenn dem Architekten der Bauherr verloren geht“, schreibt er. „Ich habe den Eindruck, dass dies bereits vor Monaten geschehen ist.“ Er sieht danach die „Gefahr“, dass „das Gesamtprojekt ein wenig scheitert“. In seiner Schärfe erinnert der Kulka-Brief an die Brandrede von Günther Jauch, als der 2007 öffentlich die Willkür-Praxis von Denkmal- und Bauamt des Potsdamer Rathauses anprangerte. Kulka erinnert daran, dass „trotz der anhaltenden und scheinbar unüberbrückbaren Differenzen zwischen dem Land Brandenburg und der Baufirma“ gerade er und sein Büro „immer wieder“ versucht hätten, „konstruktive Lösungen“ zu finden.

Das war offenbar nicht selten infolge von Abstimmungschaos nötig: „Die Schwierigkeiten wurden oftmals noch verstärkt, wenn wichtige Abstimmungen und Verhandlungen ohne den Architekten geführt wurden. Das hat bereits zu unzähligen und oftmals sinnlosen Einsätzen von mir und meinem Team geführt.“ Zum Showdown soll es nun bei einem „Bemusterungstermin“ am 18. Juni kommen. Wenn sein moderner Treppenentwurf nicht diskutiert wird, „bin ich nicht bereit die Verantwortung für den Entwurf des wichtigen Bauteils zu übernehmen“, warnt Kulka. Gerade in Gegenüberstellung „zu den wunderbaren beschädigten Originalteilen“ werde „ein ungeschickter Nachbau uns alle als unfähig gegenüber den Künstlern und Handwerkern der Vergangenheit entlarven“.

Der neue Höhepunkt im Drama um den Landtagsneubau sorgt für Wirbel. Einige setzen im Landtag darauf, dass sich der als impulsiv geltende Kulka beruhigt. Andere wie der parlamentarischen CDU-Geschäftsführer Ingo Senftleben fürchten einmal mehr, dass eins der wichtigsten Projekte Brandenburgs zur Provinzposse wird. „Es soll ein Haus der Bürger für die Bürger werden. Und ein Ministerium, ein Landtag, ein weltweit operierendes Unternehmen und ein bekannter Architekt liefern sich stattdessen Dauer-Zoff“, sagt Senftleben. „Das ist peinlich und blamabel.“

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