Der Tagesspiegel : Mit 8000 Watt im Kofferraum

Bei Luckau kürten tausende VW-Fans die schnellsten, schönsten und lautesten Wagen. Am Freitag kommen die Opel-Fahrer

Mandy Schielke

Luckau. Auf der Asphaltstrecke inmitten einer staubigen Brache stehen zwei VW-Golf. Ihre Motoren heulen, die Fahrer halten die Kupplung gedrückt. Dann springt die Ampel auf Grün. Die Wagen rasen los, 402 Meter geradeaus, das ist eine Viertelmeile. Als erster ist der grüne Golf mit der Startnummer 202 im Ziel. Sein Fahrer Hendrik Steinhaus steuert das Auto zurück hinter die Startlinie. Die Hobby-Rennfahrer treten im K.-o.-System gegeneinander an. „Verblasen“ heißt so eine Wettfahrt in ihrer Sprache, „den anderen von der Strecke pusten“, erklärt Dirk Krühler, der Initiator des Happenings. Von daher auch der Name des Treffens der VW-Freunde auf einem ehemaligen Ausweichflugplatz der sowjetischen Armee bei Luckau: „VW-Blasen“. Regelmäßig versammeln sich hier VW- und Audi-Fans, aber auch die Liebhaber anderer Automarken. So wurde im Juli der schönste und der schnellste BMW gekürt, am kommenden Wochenende vom 8. bis 10. August finden die „Opel Blitz Hits“ statt.

Für das Rennen hat Steinhaus einen Scheinwerfer ausgebaut. „So kann der Fahrtwind den Motor besser kühlen“, sagt der 26-jährige Berliner. Sein Oberkörper ist gestählt, um den Hals baumelt eine Goldkette. Sechs Wochen lang hat er jede freie Minute an seinem Golf I gebastelt, um ihn für das Rennen fit zu machen. 55 000 Autofans mit 15 000 Autos sind nach Luckau gekommen, um die neuesten Trends im Volkswagen-Aufmotzen zu sehen, vorzuführen und sich aneinander zu messen. Frisierte Motoren, aufgemotzte Karosserien und laute Stereoanlagen werden zur Schau gestellt. Die Besitzer des schnellsten, des schönsten und des lautesten Wagens bekommen einen goldenen Pokal.

Bereits zwei Tage vor den Wettbewerben sind die ersten Autos angerollt. Wer nah an der Rennstrecke zelten will, muss früh da sein. Dicht gedrängt haben die Autofans zwischen ihren Wagen ihre Zelte aufgeschlagen. Zwischendrin sitzen Männer in Campingstühlen, trinken Bier, das in Gummiplanschbecken gekühlt wird, und essen Grillwürste. Die Mehrheit der VW-Bastler kommt aus den neuen Bundesländern, aber auch Nummernschilder aus Hamburg, Bayern und sogar der Schweiz, Österreich und den Niederländern sind an den polierten Volkswagen zu sehen. Die Männer tragen ihr Haar kurz, die Hosen sind weit und die Sonnenbrillen orange getönt. Frauen gibt es nur wenige. Die, die da sind, tragen meist Bikinioberteile und knappe Miniröcke. Aus den Boxen in den Kofferräumen und von der Showbühne herab dröhnt Techno-Musik.

Wen die schwüle Hitze über dem früheren Flugfeld nicht ermattet hat, der begutachtet auf dem „Show and Shine“-Platz die nominierten Wagen für den Schönheitswettbewerb. Deren Besitzer polieren ihre Wagen fast ununterbrochen. Jedes Staubkorn, das den blitzblanken Lack beschädigen könnte, wird mit einem geübten Wisch verjagt. Heckspoiler sind auch im 21. Jahrhundert noch angesagt. Ein Herr aus der Schweiz hat in seinen Kofferraum eine Alpenlandschaft gebastelt. Aus einem Tal ragt ein Zapfhahn empor. In einer Durchfahrt, die wie eine Waschanlage nur ohne Bürsten aussieht, setzen Männer in Schirmmützen Häckchen auf Formulare. Bewertet wird hier die Karosserie, die Sauberkeit im Motorraum und die Innenausstattung. Wie einfallsreich ist der Kofferraum ausgebaut worden? Passen die diversen Extras vom Sitzbezug bis zum Extra-Aschenbecher stilistisch zusammen? Auch Besucher, die sich nicht zum Wettbewerb angemeldet haben, bestaunen die Schmuckstücke, fotografieren die Flammendekors auf Motorhauben und Türen oder die versilberten Motoren unter der aufgeklappten Haube.

Beim „Mr. Boombasstic“-Wettbewerb muss man auf seine Ohren aufpassen. Hier geht es um die Lautstärke der Soundanlagen in den Wagen. Nacheinander fahren die Autos vor. Eine Dame mit strohblondem Schopf bringt ein Messgerät an der Windschutzscheibe an. Drei Dutzend Männer bauen sich rund um den Wagen auf. Der Fahrer dreht den Bass auf. Es wummert, die Nadel des Messgerätes saust nach rechts.

Danilo Kaiser aus Griebo in Sachsen-Anhalt fährt zwar einen Ford, darf aber trotzdem mitmachen. So dogmatisch sind die VW-Freunde nicht. 15 000 Euro hat der Elektrotechniker in seine Soundanlage gesteckt, die 8000 Watt Leistung vorzuweisen hat. Die Bässe schallen aus vier Boxen. Wenn er die Stereoanlage auf volle Pulle stellt, prallt man förmlich zurück. Nur seinem Kumpel macht das nichts aus. Sein Bier in der Hand, bleibt er ruhig auf dem Beifahrersitz sitzen. Danilos Freundin ist in diesem Jahr auch mit nach Luckau gekommen. Doch bei der „Miss VW-Blasen“ -Wahl, bei der sich am Abend die Frauen auf der Show-Bühne ihre T-Shirts vom Leib reißen, will sie nicht mitmachen. „Das ist mir zu blöd“, kichert die 19-Jährige. Und gewonnen hat ja ihr Freund schon: den Pokal für die lauteste Anlage

Informationen zur „Opel Blitz Hits“, dem Treffen der Opelfreunde in Luckau am kommenden Wochenende unter 0236680/8450

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