Mit Ankündigung : Deutsche Mountainbikerin Spitz holt Gold

Sabine Spitz hat im Querfeldeinrennen mit dem Mountainbike das 15. Gold für Deutschland bei den Spielen gewonnen. "Leistung ist auch ohne Doping möglich", sagt sie.

Peking 2008 - Mountainbike - Sabine Spitz
Wer sein Fahrrad liebt... ... der trägt es über die Ziellinie, wie Sabine Spitz.Foto: dpa

Der beschwerliche Weg über Stock und Stein wurde zur triumphalen Fahrt. Und am Ende hob sie ihr Rad in die Höhe und überquerte mit deutscher Fahne zu Fuß die Ziellinie im Pekinger Laoshan-Park. „Das war pure Freude", sagte die 36-jährige Athletin. "Mir war bewusst, wofür ich so lange hart gearbeitet habe. Ich hatte schon so oft zweite Plätze."

Auch ein Sturz hielt sie nicht auf

„Ich will Gold“, hatte Sabine Spitz vor dem Rennen gesagt. Nach vollbrachter Mission fügte sie an: „Bei den Olympischen Spielen Gold zu gewinnen, das ist das Größte, das ist Wahnsinn.“ Als letzte deutsche Radsportlerin hatte die Leipzigerin Petra Roßner 1992 in Barcelona Olympia-Gold geholt.

Die Vize-Weltmeisterin aus dem badischen Ort Murg-Niederhof degradierte die 29 Konkurrentinnen auf dem knüppelharten 4,5-Kilometer-Kurs sechs Runden lang zu Statisten und ließ sich auch durch einen Sturz kurz vor Schluss nicht mehr aufhalten. Die spanische Weltmeisterin Margarita Fullana stieg in der vierten Runde aus, Gunn-Rita Dahle aus Norwegen, die in Athen Gold holte, folgte ihr, und Chinas Geheimfavoritin Ying Liu fuhr nur auf Rang 12.

Sabine Spitz
Querfeldab. Sabine Spitz auf der Strecke.Foto: ddp

"Leistung ist auch ohne Doping möglich"



Nach der Siegfahrt kam die unvermeidliche Frage nach Doping. Damit habe sie schon während des Rennens gerechnet, erklärte Spitz den Journalisten hinterher: „Eigentlich hätte ich auf dem Podium mit einem Schild stehen müssen: Leistung ist auch ohne Doping möglich.“ Damit war das Thema für sie erledigt. Mit Substanzen jedenfalls kennt sie sich aus. Spitz ist gelernte Chemie-Laborantin.

Die zweite deutsche Starterin, Adelheid Morath aus Freiburg, belegte den 18. Platz, und wurde trotzdem mit Beifall überschüttet. Die Olympia-Debütantin wollte unbedingt durchhalten und schob ihr defektes Rad auf der Felge ins Ziel. 41 Sekunden nach Spitz kam Maja Wloszczowska aus Polen ins Ziel. Bronze sicherte sich die Russin Irina Kalentjewa (+1:17 Minuten).

Präzise wie ein Uhrwerk drehte Sabine Spitz, die extra für Olympia noch einige Kilos abgespeckt hatte, ihre Runden. Bei der ersten Zieldurchfahrt führte die Bronzemedaillengewinnerin von Athen mit 21 Sekunden, bei der zweiten schon mit 53. Schon früh im Rennen war klar, dass ihr die Verlegung des Wettkampfes um einen Tag entgegen den Befürchtungen ihres Trainers und Ehemanns Ralf Schäuble nichts ausmachte. Auch bei ihrem Rad hatte sie auf das Gewicht geachtet und es bis auf 7,2 Kilogramm heruntertunen lassen.

Zum Schluss noch ein politischer Akzent

„Ich wusste vorher, der schwere, kraftaufwendige Kurs ist auf mich zugeschnitten", sagte Sabine Spitz. "Und das Klima macht mir sowieso nichts aus: je wärmer desto besser“, sagte die Olympiasiegerin, die nach ihrem Triumph noch einen politischen Akzent setzte. „Wir sind im Dorf und auf der Strecke und kriegen nicht mit, was draußen wirklich los ist. Olympia ist für uns Athleten eine Scheinwelt - China bleibt für mich ein Land mit zwei Gesichtern. Ich habe leider keinen Einfluss auf die Vergabe der Spiele.“

Für Party bleibt Sabine Spitz einen Tag vor der Abschlussfeier nicht viel Zeit. „Das wird jetzt ganz schön hektisch, weil wir am Sonntag fliegen, aber Feiern muss natürlich sein. Das wird eine kurze Nacht“, sagte Ralf Schäuble, der die heikle Sturz-Situation telefonisch aus Deutschland vom Fernsehschirm geschildert bekam, weil er an einem anderen Streckenabschnitt stand. (dpa)