Der Tagesspiegel : Mit dem Bus 470 von Schwedt nach Stettin

Ab Sonnabend verbindet eine tägliche Nahverkehrslinie wieder Deutschland und Polen. Es ist die erste seit 24 Jahren

Claus-Dieter Steyer

Schwedt/Stettin. Nach 24 Jahren Pause fährt ab kommenden Sonnabend wieder ein Linienbus zwischen Schwedt und dem polnischen Stettin (Szczecin). Dreimal täglich wird die laut Fahrplan 108 Minuten dauernde Verbindung angeboten. Unsicher ist jedoch die Dauer der jeweiligen Grenzkontrollen. Zwar fällt mit dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai die Überprüfung aller Reisenden durch den Zoll weg, der deutsche und der polnische Grenzschutz aber verlangen weiterhin gültige Personaldokumente. Dafür entfällt auf dieser Linie die sonst bei Reisebussen übliche polnische Touristensteuer in Höhe von sechs Euro pro Person.

Auf der gestrigen Premierenfahrt mit Bürgermeistern und Verkehrsexperten führte diese Regelung am Grenzübergang Rossow, 15 Kilometer vor Stettin gelegen, zu einigen Verwirrungen bei den Kontrollen. „Wir haben die Befreiung von der Touristensteuer in langen Verhandlungen mit Warschau durchgesetzt“, sagte Jürgen Crusius, Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft Schwedt. „Aber offenbar hat sich die Regelung noch nicht bis zu jedem Beamten durchgesprochen.“ Bis zum Sonnabend dürfte das aber der Fall sein, versprach er. Ob die Touristensteuer für andere Busse nach dem 1. Mai noch erhoben wird, steht noch nicht fest.

Die Schwedter Verkehrsgesellschaft erwartet eine gute Auslastung der Busse auf der Linie 470. „Deutsche zieht es nach wie vor in Scharen auf die polnischen Billigmärkte“, sagte Geschäftsführer Crusius. „Anderseits kaufen zahlreiche Stettiner regelmäßig im Schwedter Odercenter ein.“ Die Stadt locke außerdem mit einem guten Kulturangebot. Bislang seien alle Menschen jedoch auf den eigenen Pkw für die Fahrt angewiesen gewesen. Die Schwedter Verkehrsgesellschaft sichert mit dem neuen Angebot auch Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen. „Wegen der zurückgehenden Einwohnerzahl können wir in der eigenen Region nicht mehr wachsen“, erklärt Crusius. „Da brauchen wir neue Angebote.“

Die erste Buslinie zwischen Schwedt und Stettin war 1973 nach Einführung des pass- und visafreien Verkehrs zwischen der DDR und Polen eröffnet worden. Doch als die DDR-Führung 1980 das Überschwappen von Ideen der polnischen Bürgerrechtsbewegung Solidarnosc fürchtete, kam das Aus für die einmal wöchentlich angebotene Verbindung.

Inzwischen gibt es auch in anderen Grenzstädten wieder Ideen für einen grenzüberschreitenden Verkehr. So planen Frankfurt und Slubice den Bau einer Straßenbahn auf der Oderbrücke. Ende 2002 scheiterte hier allerdings der Versuch, im Vorweihnachtsverkehr eine Buslinie zu eröffnet. Die Frankfurter und Slubicer Taxi-Fahrer gingen aus Furcht vor Einnahmeverlusten auf die Barrikaden. Die Verwaltung des Nationalparks Unteres Odertal wünscht eine Buslinie zwischen Schwedt und Gryfino (Greiffenhagen), um mehr Touristen in die Region zu locken. Bislang dürfen die Brücke in Mescherin jedoch nur Fußgänger im kleinen Grenzverkehr passieren.

Die Einzelfahrt zwischen Schwedt und Stettin kostet 10,70 Euro, die Tageskarte für die Hin- und Rückfahrt 13,40 Euro. Die Bezahlung beim Fahrer kann in Euro und Zloty erfolgen. Die Hinfahrt beginnt am Schwedter Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) um 8.45, 13 und 16.50 Uhr, die Rückfahrt startet am Stettiner Bahnhof um 10.45, 15 und 18.45 Uhr. Unterwegs halten die Busse in Vierraden, Blumenhagen, Gartz und Rossow sowie an drei Stettiner Haltestellen. Weitere Auskünfte gibt es unter der kostenpflichtigen Telefonnummer (01805)822662 oder im Internet unter www.vbbonline.de. Von Berlin- Zoologischer Garten bis Schwedt dauert es mit dem Zug knapp zwei Stunden.

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