Der Tagesspiegel : Mit dem Elektromobil zu Zilles Grab

Auf dem ausgedehnten Gelände des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs verkehrt jetzt ein Besuchertaxi

Andreas Wilhelm

Stahnsdorf - Mit einem Friedhofstaxi können sich Besucher des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs jetzt zu den Gräbern fahren lassen. Das Elektromobil, das einem Golf-Cart ähnelt, kann bis zu vier Personen transportieren, wie der Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeld sagt.

„Auf die Idee sind wir wegen der großen Entfernungen gekommen.“ Mit 206 Hektar ist der Stahnsdorfer Südwestkirchhof der zweitgrößte Friedhof Deutschlands und der größte Waldfriedhof Europas. „Ein Stück märkischen Waldes, parkartig behandelt, die Gräberplätze weit auseinander, herrlich, schön, friedlich“, so beschrieb ihn einst Victor Klemperer. Besonders für „ältere Herrschaften“ auf Trauerfeiern seien die weiten Strecken teilweise schwierig zurückzulegen, sagt Ihlefeld. „Die italienischen und britischen Kriegsgräberstätten liegen sogar bis zu zwei Kilometer vom Haupteingang entfernt.“ Die Verwaltung verspreche sich durch den kostenlosen Service aber auch mehr Besucher an den Gräbern berühmter Persönlichkeiten wie Heinrich Zille, Lovis Corinth oder Werner von Siemens. Für viele Bewerber um eine Grabstätte habe außerdem die Erreichbarkeit durch ihre Angehörigen erheblichen Einfluss auf die Wahl des Friedhofes.

48 Stunden könne das Friedhofstaxi unterwegs sein, ohne aufgeladen zu werden, sagt Ihlefeld. Dann müsse es zurück an die Steckdose. Das Mobil könne knapp 30 Kilometer pro Stunde zurück legen, sei allerdings auf 15 Kilometer pro Stunde gedrosselt.

In der Anfangsphase soll zunächst ein Friedhofstaxi über den Stahnsdorfer Südwestkirchhof fahren, wie Ihlefeld sagt. Je nach Bedarf könne sich die Verwaltung vorstellen, auf drei Carts aufzustocken. Der Besucher dürfen allerdings nicht selbst fahren. „Sie werden als Service von einem unserer Mitarbeiter chauffiert“, sagt Ihlefeld. Andreas Wilhelm

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