Der Tagesspiegel : Mit dem Laptop zu Huckleberry Finn

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Die Funkausstellung zeigt Technik, mit der man besser fernsieht. Aber ohne TVHelden sind selbst die tollsten Geräte nur langweilige Flimmerkisten. Bekannte Ifa-Besucher erzählen hier täglich, welchen Fernsehliebling sie verehren – und ob sie sich für die neue Technik interessieren. Heute: der Münchener Tatort-Kommissar Ivo Batic alias Schauspieler Miroslav Nemec, 51.

Als Kind waren Marlon Brando und James Dean meine Helden. Die verkörperten diese Mischung aus Scheitern und dennoch das Leben meistern, hatten diese Dialektik in heldischem Sinn. Mich faszinieren Menschen, die Brüche in ihrer Biographie haben. Die haben ja viele, aber nur wenige zeigen das auch. Heute habe ich keinen Fernsehhelden mehr. Ich schaue mir kaum Spielfilme an. Wenn ich fernsehe, dann sehe ich die Tagesschau oder Dokumentarfilme. Letztens einen über Fischer im Kaukasus, die keine Fische mehr fangen, weil die Ölpumpstationen das Kaspische Meer verschmutzen. Ich weiß gar nicht, wieso ich so selten Spielfilme gucke. Vielleicht, weil ich das jetzt beruflich mache? Es interessieren mich auch einfach nur noch wenige Dinge. Gerade, auf der Ifa, finde ich aber solche Sticks spannend, mit denen man per Laptop fernsehen kann. Man steckt sie in den Laptop und los geht’s. Da fällt mir ein: Letztens hab ich nochmal einen wirklich hervorragenden Film gesehen: „Eyes Wide Shut“. Tom Cruise und Nicole Kidman sind einfach sehr gute Schauspieler. Die holen so unangenehme Gefühle aus sich heraus, die entblößen sich so sehr. Darin sind die Amerikaner schauspielerisch sowieso weit vorne. Einen Helden, den ich mal spielen will? Besorgen Sie mir die Rolle des Huckleberry Finn, und ich bin sofort dabei. Toll, wie der sich nicht in die Gesellschaft integrieren will. Wie der von der Witwe, die ihn adoptieren will, ausbüchst. Ich mag solche Quergänger.

Aufgezeichnet von Jeannette Krauth

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