Der Tagesspiegel : Mit den Nachbarn auf Patrouille

CLAUS-DIETER STEYER

Bewohner von Bärenklau schützen sich selbst vor Einbrechern / Steigende Zahl von Delikten in UmlandVON CLAUS-DIETER STEYER BÄRENKLAU.Das Einfamilienhaus in dem kleinen Dorf unweit der Berliner Stadtgrenze schien für einen Einbruch wie geschaffen: Hohe Hecken, wenig Licht, weiter Abstand zum Nachbarn.Nichts deutete zudem auf eine Anwesenheit der Bewohner hin.Die drei Einbrecher hatten sich in der Nacht ein leichtes Spiel ausgerechnet.In Windeseile rannten sie durch den Garten zum Haus und versuchten sich an den Fenstern.Doch die Hauseigentümer hatten aufgerüstet.Mit einem einfachen Brecheisen war in diesem Fall an Türen und Fenstern nichts zu machen.Zuviel Arbeit, zuviel Zeit, sagten sich wohl die verhinderten Einbrecher und kehrten zu ihrem etwas abseits geparkten Auto zurück.Mit großen Tempo brausten sie davon.Sie fühlten sich sicher und unbeobachtet, denn sie steuerten zielgerichtet ein anderes Haus an. Doch diesmal hatten sich die Täter verrechnet.Denn in Bärenklau klaut es sich nicht mehr so leicht.Seit einigen Jahren durchstreift hier Tag und Nacht ein Trupp Einwohner die Straßen und Wege des Ortes zwischen Oranienburg und der A 24.Sicherheitspartnerschaft nennt das Polizei.Im Rahmen der Aktion "Wachsamer Nachbar" achten die Männer auf fremde Bewegungen aller Art.Autokennzeichen werden ebenso notiert wie Personenbeschreibungen von Ortsfremden.Die Überwachung ist aus der Not heraus geboren.Als sich vor Jahren auch in Bärenklau die Einbrüche häuften, griffen die Einwohner zur Selbsthilfe und organisierten Streifen.Die Männer sind nur mit Funkgeräten "bewaffnet", wollen einen kurzen Draht zur Polizei herstellen und verstehen sich nicht als Bürgerwehr.Inzwischen gibt es in rund 20 Brandenburger Orten ähnliche mit den jeweiligen Revierpolizisten abgestimmte Aktionen. In Bärenklau beobachteten die wachsamen Nachbarn das Treiben vor dem Haus der verreisten Bewohner ganz genau.Über Funk verständigten sie die Polizei und gaben das Autokennzeichen und weitere Einzelheiten durch.Die Beamten waren schnell zur Stelle und nahmen drei aus dem früheren Jugoslawien stammende Männer fest."Angesichts der hohen Zahl von Wohnungseinbrüchen sind wir auf die Mithilfe der Bürger angewiesen", sagt Polizeidirektor Hans-Jürgen Mörke von der Hauptwache Oranienburg.Jede Beobachtung sei wichtig."Trotz eines massiven Aufgebotes von Polizisten in den Orten zwischen Berlin und der Autobahn, können wir nicht vor jedes Haus einen Beamten stellen." Schwerpunkte der Einbrecher seien im nördlichen Umland derzeit Hennigsdorf, Birkenwerder und Glienicke.Die Zahlen zeigen zumindest in letzter Zeit eindeutig nach oben.1996 wurden im Bereich der Polizeiwache Oranienburg 911 Einbrüche und Diebstähle aus Wohnungen und Häusern angezeigt, im Vorjahr waren es 320 mehr.Erfreulicherweise stieg auch die Aufklärungsquote: Von 35,5 Prozent 1996 auf 43,5 Prozent 1997."Ohne Hinweise von den Bürgern können wir wenig ausrichten.Observationen oder zufällige Kontrollen reichen nicht aus", sagt der Polizeidirektor.In der Regel würden die Täter ihre Tatorte vorher ausspionieren.Sie liefen zu verschiedenen Tageszeiten durch den Ort, verweilten lange und würden somit auffallen. Meist arbeiten sie in Gruppen zu drei bis fünf Personen und mit mehreren Fahrzeugen."Hier sollten sich die Bürger auf einen Menschen und ein Auto konzentrieren", rät Pressesprecher Uwe Konzack."Uns nützt es nicht viel, wenn später von vier dunkelhaarigen Männern die Rede ist.Wir brauchen Details." Die Einbrecher kommen etwa zur Hälfte aus Deutschland und dem Ausland.Bei den Ausländern dominieren Banden aus Rumänien und dem früheren Jugoslawien.Sie starten zu ihren Raubzügen nach Geld und Schmuck vor allem aus Berlin.Doch ihr Einsatzgebiet erstreckt sich auf das gesamte Umland und die angrenzenden Bundesländern.So wurde kürzlich ein Auto aus dem nordbrandenburgischen Zehdenick entwendet, der bei Straftaten in Plau am See in Mecklenburg und Berlin zum Einsatz kam. Die Polizei warnt nachdrücklich vor Konfrontation mit den Einbrechern."Die lassen sich von einfachen Bürgern nicht festnehmen", sagt Polizeidirektor Mörke.Die augenblickliche Häufung von Einbrüchen überrascht die Polizisten.Erst Anfang der Woche wurden innerhalb von fünf Stunden sieben Häuser in fünf benachbarten Dörfern im nördlichen Umland ausgeraubt."In den letzten Jahren waren die südeuropäischen Banden zu dieser Zeit in ihre Heimat zurückgekehrt.Jetzt aber sind die in der Regel illegal nach Deutschland kommenden Täter weiter aktiv", erklärt Mörke.Vielleicht sei das milde Wetter ausschlaggebend.Bei strengem Frost sinkt auch die Einbruchsrate.

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