Der Tagesspiegel : Mit der "Architektur" des Pfluges: Der Fotograf Boris Becker stellt in Luckenwalde Landschaftsaufnahmen aus Italien aus

Andreas Hergeth

Ein gepflügter Acker, umbrochene Erdschollen, so weit das Auge reicht. Nah mit der Kamera aufgenommen und auf rund zwei mal zwei Meter vergrößert: Ein Landschaftsbild, wie man es schon in ein paar Wochen wieder überall in Brandenburg sehen kann. Doch stammt die farbige Fotografie nicht aus hiesigen Gefilden. Die Aufnahme entstand während eines Aufenthaltes des Kölner Fotografen Boris Becker in Italien, in der die Stadt Rom umgebenden Landschaft, Campagna genannt. Becker zählt zu den herausragenden Vertretern zeitgenössischer Fotografie. Arbeiten des 39-Jährigen sind jetzt in der Luckenwalder "Kunsthalle Vierseithof" zu sehen.

Ansichten eines frisch bearbeiteten Erdbodens scheinen auswechselbar. Was soll an der Aufnahme italienischer Ackerscholle so besonders sein? Die Einmaligkeit eben jenes Quadratmeters Boden. Winzige Details machen (dank des großen Formats) darauf aufmerksam, dass Boris Becker eben dieses Stückchen Erde bei Rom fotografierte und kein anderes. Hier und da zeigt sich Grün, Moos oder Gräserspitzen, die der "Architektur" des Pfluges eine ganz eigene Note geben. Solche Details sind unabdingbar, um den Ort der Aufnahme zu individualisieren. In anderen Bildern wird dies noch deutlicher. Da ist der Acker, der entweder schon vor längerem gepflückt oder vom Regen "überarbeitet" wurde. Verschiedene Muster, Ornamenten gleich, sind zu sehen. Mensch und Natur hinterließen hier zugleich ihre Spuren. So ein Bild gibt es kein zweites Mal.

Das, was Becker zeigt, lässt sich während eines jeden Spazierganges am Feldrand entdecken: Kein Quadratmeter Stoppelfeld gleicht dem anderen. Die Vorliebe für Kulturlandschaften landwirtschaftlicher Prägung, für Beckers "Bilder-Felder", hat sich aus der Beschäftigung mit Hochhäusern oder deutschen Bunkeranlagen, mit menschenleeren, urbanen, architektonischen Inhalten heraus entwickelt. Dabei interessieren den Fotografen die formalen Strukturen und farblichen Akzentuierungen, die schöne ästhetische Fläche. Menschen sieht man nie. Keine dröhnenden Düngerflugzeuge, keine Traktoren, keine Spur von Gen-Mais. Durch die konsequente Isolierung seiner alltäglichen Objekte erlangen diese neue Aufmerksamkeit, man sieht die gewöhnlichen Dinge plötzlich mit ganz anderen Augen.

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