Der Tagesspiegel : Mit der Kelle ans Köpfchen

Spargel stechen darf der Laie inzwischen auf vielen Höfen – zumindest zur Probe. Die Ernteexperten kommen aus Polen und Rumänien

Claus-Dieter Steyer

Schlunkendorf. In der gerade eröffneten Spargelsaison in und um Beelitz können Besucher erstmals selbst zu Messer und Kelle greifen. Nach den ersten zaghaften Versuchen in den vergangenen Jahren gehört das Spargelstechen inzwischen auf vielen Höfen zum Angebot. „Wir wollen damit gerade die Berliner zu uns herauslocken“, sagt Manfred Schmidt, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Der Spaß muss allerdings auf einige Proben beschränkt bleiben. Denn die Pflanzen könnten bei unsachgemäßer Handhabung Schaden nehmen.

Auf dem Spargelhof Schlunkendorf wird nicht nur zum Selbstversuch auf dem Feld eingeladen, sondern auch zu Betriebsrundgängen. Da werden alle Geheimnisse von der Verarbeitung bis zur Verpackung gelüftet. Eine Unterhaltung mit den Beschäftigten ist allerdings wegen fehlender Sprachkenntnisse kaum möglich. Die meisten Spargelstecher kommen aus Polen, vereinzelt in dieser Saison auch aus Rumänien.

Pro Hektar werden im Durchschnitt zwei Arbeitskräfte gebraucht, lautet die Formel. Dazu kommt je eine Person im Vertrieb, also auf den Ständen oder in den Hofläden. Etwa 800 Hektar ist die Anbaufläche rund um Beelitz groß. Insgesamt wächst in Brandenburg das edle Gemüse auf 2000 Hektar. Nur Niedersachsen weist mehr Spargelfelder auf. Den zweiten Platz teilt sich Brandenburg mit Nordrhein-Westfalen. Fast der gesamte Spargel wächst im Beelitzer Raum unter einer Plastikfolie. „Sie wirkt wie ein Mini-Gewächshaus“, erklärt Vereinschef Schmidt. „Da können draußen nur um die zehn Grad Celsius sein, während wir unter der Folie 20 bis 30 Grad messen.“ So kann in jedem Jahr der Erntestart in der zweiten Aprilhälfte gehalten werden, auch wenn die äußeren Temperaturen eigentlich nichts Gutes versprechen. Dank der Gewächshausbedingungen kommt der einheimische Spargel meist nur kurze Zeit nach der Konkurrenz aus Spanien, Italien und Griechenland auf den Markt. In diesem Jahr hatten allerdings auch die Südeuropäer mit einem langen Winter zu kämpfen.

Der Ausflug zu den Beelitzer Spargelhöfen kann mit einem Museumsbesuch verknüpft werden. In Schlunkendorf haben Heimatchronisten alle Details über die vitaminreichen und wasserreichen Stangen zusammengetragen. 1861 hatte demnach der Glasermeister Karl Friedrich Wilhelm Hermanns die erste Spargelpflanze aus Braunschweig in einem Beelitzer Garten eingebuddelt. Es begann ein Siegeszug, der nur durch das Verbot 1939 kurzzeitig unterbrochen wurde. Die damaligen Machthabern störten sich an den wenigen Kalorien und ordneten statt dessen den Anbau von Getreide an. Am kleinen Museum (geöffnet mittwochs bis sonntags von 10 bis 16 Uhr) beginnt ein vier Kilometer Lehrpfad mit vielen Schautafeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben