Der Tagesspiegel : Mit der knallroten Ente nach Potsdam

Nun darf sie wieder fliegen: Das Wasserflugzeug „Duck1“ startet in Treptow

Christine Berger

Schwielowsee – Es wackelt ein bisschen beim Einsteigen. Dann geht alles ganz schnell: Kraftvoll wie Harry Potters Zauberbesen düst das knallrot gestrichene Wasserflugzeug über die Spree. Wider Erwarten spritzt beim Start in Treptow nicht mal das Wasser hoch, so dass die Passagiere allzeit gute Sicht haben. Vier Personen passen in die Cessna, und seit das Flugverbot über der Stadt wieder gelockert wurde, geht das Geschäft mit den Rundflügen gut. „Auf jeden Fall voranmelden“, brummt der Pilot Gerd Gebhardt. Mehr als 45000 Flüge hat der 64-jährige Pilot schon hinter sich, mit dem Wasserflugzeug der Air-Service Berlin GmbH ist er seit 1998 unterwegs.

Seit dieser Saison geht der Flug vom Wasserflugplatz am Treptower Park erstmals auch zum Schwielowsee südlich von Potsdam. Dort erwartet die Fluggäste ein Lunch im neuen Schwielowsee-Resorthotel. Der Weg dorthin verspricht grandiose Stadtansichten. Mit rund 230 Stundenkilometern geht es über den Alexanderplatz. Auf rund 600 Meter Flughöhe bringt es die 27 Jahre alte Cessna.

Imposant zieht sich die so genannte Abgeordnetenschlange an der Stadtbahntrasse entlang und schon sind wir über dem Schloss Charlottenburg. Sehr hübsch das alles, jedenfalls von oben. Im Flug geht es vorbei am Olympiastadion, und dann jede Menge Wald. Erst der Teufelsberg, schön zu sehen die Ruine der alten Abhöranlage. Selbst von so weit oben ist der Müll sichtbar. Dann wieder nur Wasser und Bäume bis zum Flughafen Gatow. Auf dem alten britischen Militärgelände werden gerade Einfamilienhäuschen gebaut. Noch ist die frühere Startbahn gut zu sehen.

Und dann Potsdam. Was für eine Pracht aus der Luft ist Sanssouci. Eben noch strahlt das chinesische Teehaus in der Sonne, schon setzt „Duck1“, so heißt der Flieger, zur Landung an. Ein Fischreiher nimmt Reißaus, als die Maschine zum Steg des Yachthafens am Westufer des Schwielowsees tuckert. Hier wird stilvoll gegessen im maritim eingerichteten Hafenrestaurant des Ressorthotels. Pilot Gerd Gebhardt plaudert derweil mit dem Hafenmeister. In neunzig Minuten befördert er die Passagiere, die 178 Euro pro Person gezahlt haben, zurück. Und freut sich aufs Wochenende: Dann fliegt er mit seiner Ente nach Warnemünde. Rundflüge verkaufen.

Informationen im Internet unter www.air-service-berlin.de oder Telefon (01805) 708 708 (0,12 €/Minute)

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