Der Tagesspiegel : Mit donnernden Hufen

Am kommenden Wochenende werden Kaltblüter in Brück wieder zu „Titanen der Rennbahn“

Claus-Dieter Steyer

Brück - Wenn die „Titanen der Rennbahn“ Fahrt aufnehmen, dröhnt der Boden. Trotz ihres Gewichts zwischen 600 und 1000 Kilogramm donnern sie mit bis zu 40 km/h durchs Gelände und ziehen dabei noch einen voll besetzten Wagen über Anhöhen, eine steil gebaute Brücke oder durch einen Wassergraben – allerdings nur zu zweit, zu viert, zu sechst oder gar im Dutzend.

Die Kaltblutpferde auf der „Titanenarena“, einem Gelände am Rande der Kleinstadt Brück im Fläming, nahe der Autobahn Berlin-Leipzig, wirken alles andere als kühl und zurückhaltend. „Im Unterschied zu Voll- oder Warmblütern sind sie schon etwas gelassener“, sagt Thomas Haseloff, der mit seinem Bruder Burkhard Brandenburgs größte Kaltblutpferdezucht betreibt. „Aber sie sind eben sehr verlässlich und überaus kräftig.“ Am nächsten Wochenende steigt in Brück wieder das größte Kaltblutrennen, das im Vorjahr 20 000 Besucher anlockte.

Der etwas reißerische Name „Titanen der Rennbahn“ soll weniger an das griechische Göttergeschlecht als an den besonders stabilen Titanstahl erinnern. „Wir sprechen in unseren Kreisen von einem kräftigen Fundament und meinen damit die dicken Muskeln“, erklärt Thomas Haseloff. „Deshalb wurden die Tiere vor allem als Brauereipferde bekannt. Mühelos zogen sie die mit schweren Bierfässern beladenen Wagen durch Städte und Dörfer.“ Viele Brauereien halten sich noch heute aus Tradition einige Kaltblüter. Zur Veranstaltung in Brück haben sich rund 20 Brauereigespanne aus dem In- und Ausland angesagt. Ihre Fracht wird am Samstagabend als Freibier an die Besucher verteilt, nach den Hindernis- und Wagenrennen oder dem Rennreiten ohne Sattel.

Während die Tradition, Kaltblüter als Zugpferde vor Brauereiwagen einzusetzen, fast ausgestorben ist, gibt es für sie in Brandenburgs Wäldern eine wachsende Nachfrage. „Wir holen mit den starken Tieren Baumstämme aus den Wäldern“, sagt Ralf Fangerow aus Angermünde. „Für die schwere Technik müssen Forstarbeiter oft erst breite Schneisen schlagen. Wir dagegen behandeln den Waldboden sehr behutsam und können mit den Tieren selbst Steilhänge wie im Odertal mühelos erreichen.“ Der „Holzrücker“ kommt auch zum Wettkampf nach Brück, wo er mit drei Gespannen schwere Lasten ziehen wird.

Sogar einen Weltrekordversuch werden die Zuschauer erleben. Am Sonntag will Thomas Haseloff mit fünf Helfern um 14 Uhr eine Postkutsche mit 26 Kaltblütern durch die Arena kutschieren.

Der Chef des Kaltbluthofes, auf dem rund 100 erwachsene Tiere und 20 Fohlen gehalten werden, träumt schon von einer Weltmeisterschaft der Titanen in Brück. In Kürze will er dies der internationalen Reitervereinigung unterbreiten.

„Titanen der Rennbahn“, 28./29. Juni, jeweils ab 10.30 Uhr. Höhepunkt am Sonnabend, 18 Uhr, ist der Festumzug durch Brück. Infos unter Tel. 033844/519195 oder www.titanenderrennbahn.de

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