Der Tagesspiegel : Mit Pauken und Trompeten

Am Sonnabend eröffnete die 13. Saison der Brandenburgischen Sommerkonzerte – der Charme des Anfangs ist geblieben

Carsten Niemann

Der Zauber des Anfangs ist immer noch spürbar: Bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten geht es auch nach 13 Jahren noch herzlich und familiär zu, und das obwohl immer mehr Stars auftreten und das Festival immer größere Dimensionen annimmt. Bis Ende September wird es insgesamt 23 Konzerte an 23 unterschiedlichen Orten geben.

Am Sonnabend um 17 Uhr wurde das Festival in der Brandenburger St. Katharinen-Kirche zum 13. Mal prominent eröffnet: Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielte unter der Leitung von Yakov Kreizberg Mahlers Symphonie Nr. 1 und ein Werk von Siegfried Matthus. Er ist dieses Jahr Composer in Residence der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Am Sonnabend fand auch das erste der 36 Glienicker Schlosskonzerte statt, bei denen Solisten der großen Berliner Orchester und Opern auftreten.

Die Idee von Werner Martin, dem Begründer der Brandenburgischen Sommerkonzerte, Klassiker „auf Landpartie“ ins Brandenburgische zu schicken, um auf diesem Weg Verbindungen zwischen Menschen, Natur und Kulturdenkmälern zu schaffen, hat sich äußerst erfolgreich durchgesetzt. Negative Effekte, zu viel Kommerz wie sie sich zum Beispiel beim Schleswig-Holstein-Festival eingeschlichen haben, blieben bislang aus.

Woran das liegt? Zum einen sicherlich daran, dass die Sommerkonzerte nie den Charakter einer Bürgerinitiative verloren haben: Gastgeberstolz mischt sich mit dem echten Wunsch, auf die oft verborgenen kulturellen Schätze der eigenen kleinen Gemeinde oder Stadt hinzuweisen.

Die neugierigen Konzertbesucher, die an den traditionellen Kaffeetafeln zugunsten der Denkmalpflege Platz nehmen oder vom Bürgermeister, Pfarrer, oder Gymnasialdirektor mit den Sehenswürdigkeiten des Orts bekannt gemacht werden, sind weniger Touristen als Partner und Gäste. Zum anderen gehen der Region die Aufführungsorte noch lange nicht aus. Neun der 23 Spielstätten für die 23 Konzerte sind dieses Jahr neu dabei: von der Dorfkirche in Cumlosen bis zur Waldbühne in Eisenhüttenstadt.

Prominentester neuer Gastgeber wird diesmal Bundespräsident Johannes Rau sein: Den Brandenburgischen Sommerkonzerten öffnet Johannes Rau am 5. Juli die Türen von Schloss Bellevue für ein exklusives Benefizkonzert. Das Deutsche Symphonieorchester wird unter anderem Werke von Bach und Mozart spielen. Weil das Festival keine staatliche Unterstützung erhält, darf die Karte dann auch einmal 170 Euro kosten – wobei der Erlös zu einem großen Teil der Brandenburgischen Denkmalpflege zugute kommt.

Viel musikalische Prominenz wird sich über das ganze Land Brandenburg verteilen: Höhepunkte versprechen unter anderem Musiker wie Lucia Aliberti, Ton Koopmann oder Andrey Boreyko. Auch die Lesungen, die vor oder nach vielen Konzerten stattfinden, sind mit bekannten Autoren besetzt, darunter Jana Hensel und Günter de Bruyn. Dieses Jahr ist das Thema der literarischen Streifzüge das „Leben nach dem Mauerfall“.

Die Konzerte stehen dieses Jahr unter dem Motto „Über Grenzen“. Immer wieder blicken die Veranstaltungen hinüber zum künftigen EU-Partner Polen. Schönste Nachbarschaftsnachhilfe in Sachen polnischer Musik verspricht die Aufführung der aufstrebenden Pianistin Ewa Kupiec, die am 20. Juli in Neuruppin Musik von Chopin bis Szymanowski präsentieren wird. Der Transferbus vom Fehrbelliner Platz in Berlin wird am 20. September Musikfans dann sogar körperlich über die Grenze bringen: in die Marienkirche von Chojna bei Königsberg. Ein Schritt, dem hoffentlich weitere folgen werden: Denn nichts braucht Nachbarschaft so nötig wie das Talent zu familiärer Herzlichkeit.

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