Der Tagesspiegel : Mit viel Staat zum Erfolg

Claus-Dieter Steyer

Mit vielen Großprojekten ging Brandenburg bekanntlich baden. Doch vielleicht bedurfte es erst Pleiten wie beim Cargolifter oder der Chipfabrik, um den richtigen Dreh für den Erfolg zu finden: „Wir machen es selbst!“

Anders ist der Ansturm auf die Flächen rund um die Baustelle des Großflughafens in Schönefeld kaum zu erklären. Die anfangs als „Beamtenparkplatz“ belächelte Zukunftsagentur Brandenburg machte kürzlich einem irischen Konsortium die Fläche an der Autobahnausfahrt Schönefeld-Nord so schmackhaft, dass es dort für 1,1 Milliarden Euro eine Airport-City mit Konferenzzentrum, Hotels, Büros und Wohnungen bauen lässt. Auf zwei anderen Flächen rund um den Terminal entstehen Anlagen mit ähnlichen Dimensionen.

Der Gemeinde Schönefeld gelang mit der freiwilligen Umsiedlung von Einwohnern einer kleinen Siedlung in Airportnähe ein richtiger Coup. Das hier für den Lärmschutz vorgesehene Geld wurde einfach in den Bau von Häusern in einer ruhigen Ecke gesteckt, während in der alten Siedlung nun Gewerbeflächen entstehen.

So drehen sich derzeit überall in Schönefeld und entlang der Autobahn die Kräne. Die Oberaufsicht liegt in staatlichen Händen. Berlin und Brandenburg haben sich mit den Kommunen auf einen Planungsatlas geeinigt. Der ist eine logische Folge des Booms auf der Flughafenbaustelle selbst, wo offenbar alles wie am Schnürchen läuft, um 2011 Eröffnung zu feiern.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sich Brandenburg zusammen mit Berlin und dem Bund viel Spott gefallen lassen musste. Sie hätten es nicht vermocht, für das größte ostdeutsche Bauvorhaben private Bauherren zu finden, lauteten die Vorwürfe. Und jetzt? Besser als unter staatlicher Regie könnte es gar nicht laufen. Selbst kleine Baufirmen erhalten Aufträge und sichern sich so das Überleben. Vielleicht sollten sich deshalb Zweifler am Nutzen stärkerer staatlicher Kontrollen des Wirtschaftsablaufs einfach mal auf den Info-Tower am künftigen Terminal stellen. Hier ist von Krise dank einer klugen und kompetenten Flughafengesellschaft nichts zu spüren.

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