Der Tagesspiegel : Mit Wurfankern gegen Bahn-Oberleitungen

THORSTEN METZNER

Hinweise auf AtomkraftgegnerVON THORSTEN METZNER Potsdam. Vermutlich militante Atomkraftgegner haben auf zwei Bahnstrecken in Brandenburg Anschläge verübt.Bei den Hakenkrallen-Angriffen auf Oberleitungen am Bahnhof Wildpark bei Potsdam und der Anhalter Bahn bei Belzig entstand erheblicher Sachschaden.In der Nähe der Belziger Bahnstrecke fand die Polizei Flugblätter von Atomkraftgegnern.Konkrete Hinweise auf die Täter lagen jedoch laut Polizeisprecher Geert Piorkowski nicht vor.-Gegen 11 Uhr ist es geschafft: Ralf-Becker, Spitzname "Epi", kann an die Zentrale melden, daß sich der Bahnreparaturtrupp wieder auf den Heimweg ins Ludwigsfelder Depot machen werde.Seit sechs Uhr morgens haben Becker und seine Männer rund um die Uhr am Bahnhof Wildpark bei Potsdam die Oberberleitungen an der Strecke Berlin-Hannover repariert."500 Meter waren kaputt", erzählt Becker.Wie gefährlich solche Anschläge sind? "Durch die Kabel sausen 15.000 Volt", sagt Becker - und fügt sarkastisch hinzu."Das macht klein und häßlich". Anschläge mit Wurfankern seien deshalb besonders gefährlich, bestätigt Polizeisprecher Piorkowksi, "da die Wirkung völlig unberechenbar ist." Gegen zwei Uhr 15 war ein Güterzug auf Strecke Berlin-Dessau nahe Belzig in eine in die Oberleitung geschleuderte Hakenkralle gefahren, die den Stromabnehmer der Lok beschädigte.Das gleiche Schicksal ereilte gegen vier Uhr 15 Uhr den Regionalexpreß Brandenburg-Potsdam, in dem sich Fahrgäste befanden.Verletzte gab es nicht.Am Rande der Belziger Gleise fand die Polizei ein Bekennerschreiben: Es zeigt einen fünfzackigen Stern, einen Menschen symbolisierend, der in der rechten Hand eine Säge hält.Der Begleittext: "Gegen die Atommafia" und "Castor no pasaran". Die Brandenburger Ermittler gehen davon aus, daß linke militante Atomkraftgegner aus Berlin - die zeitweise in Brandenburg leben - hinter den Anschlägen stehen.Als Indiz dafür gilt, daß erstmals ein Anschlag im Zentrum Berlins - am Bahnhof Ostkreuz - verübt worden ist.Im Vorjahr war Brandenburg fünf mal Ziel von Anschlägen auf Hochspannungsmasten und Bahnstrecken. Am Tag nach den Anschlägen sorgte der bevorstehende Castor-Transport nach Gorleben in Potsdam für politischen Wirbel: Brandenburgs Bündnisgrüne distanzierten sich zwar auf Anfrage von den Gewaltaktionen, gingen jedoch in ihrem offenen Brief an Ministerpräsident Manfred Stolpe darauf nicht ein.Sie forderten Stolpe und Umweltminister Matthias Platzeck auf, am 1.März an der bundesweiten Großkundgebung in Lüneburg gegen den Castor-Transport teilzunehmen.Auch Brandenburger seien durch die Lagerung der radiaktiven Restmülls in Gorleben gefährdet: durch möglicherweise austretendes verstrahltes Grundwasser.In der vorigen Woche hatten Brandenburgs Bündnisgrüne dazu aufgerufen, Anfang März "durch Straßenblockaden etc.die Castor-Transporte zu verhindern."

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