Der Tagesspiegel : Mittwoch beginnt die Anhörung zum Havel-Ausbau

Umweltverträglichkeit wird geprüft Naturschützer leisten Einwände

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Spätestens in zehn Jahren sollen 185 Meter lange Güterschiffe mit voller Ladung aus Westeuropa auf der Havel bis nach Berlin fahren können. Für den dafür notwendigen Ausbau der Fahrrinne zwischen dem westlich von Potsdam gelegenen Ketzin und der Stadt Brandenburg/Havel beginnt morgen die so genannte Prüfung der Umweltverträglichkeit. Auf der insgesamt 43 Kilometer langen Strecke muss das Ufer an vier Stellen auf insgesamt 1500 Meter Länge abgegraben werden. Dadurch vergrößert sich die Breite von jetzt 25 auf 40 bis 50 Meter. Fast durchgängig reicht die derzeit bei 3,20 Meter liegende Wassertiefe für die großen Frachtschiffe nicht aus. Sie wird auf 3,50 bis 4 Meter vergrößert.

Bei der nicht-öffentlichen Anhörung des Wasserstraßen-Neubauamtes können alle vom Ausbau betroffenen Städte und Gemeinden, Unternehmen sowie die Umweltverbände ihre Einwände vorbringen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bekräftigte gestern in Potsdam seine strikte Ablehnung der Pläne. „90 Prozent des betroffenen Abschnittes stehen unter Naturschutz“, sagte Winfried Lücking, BUND-Referent für Gewässer und Binnenschifffahrt. „Bedroht sind die Lebensräume besonders geschützter Arten wie Biber, Fischotter, Rotbauchunke, Rapfen und Steinbeißer.“ Außerdem verstärke der Havelausbau die bereits angespannte Lage im Brandenburger Wasserhaushalt. Durch den größeren Querschnitt fließe das Wasser schneller ab. Dabei sei es wegen der immer geringer ausfallenden Niederschläge dringend geboten, sämtliches Wasser länger als bisher im Land zu halten.

„Wir sehen für große Binnenschiffe für die Strecken von und nach Berlin auch keinen Bedarf mehr“, sagte der Umweltexperte. „Die Zeiten der Schwerindustrie sind ebenso vorbei wie die der Kohle-Kraftwerke.“ Für den geringen Verkehr reiche der Zustand der Wasserwege aus. Selbst die 185 Meter langen Großmotorschiffe könnten von Magdeburg aus Berlin erreichen, auch wenn der Platz auf der kompletten Strecke nicht für einen Verkehr in beiden Richtungen ausreiche. Da müsste eben ein Schiff auf das andere warten, schlug Lücking vor. Das sei bei dem geringen Verkehr kein Problem.

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