Der Tagesspiegel : MKS: Quarantäne für Schweinemast wird aufgehoben

Thorsten Metzner

Keine Maul- und Klauenseuche in Brandenburg: Der Verdacht bei einem Mastschwein aus dem Landkreis Spree-Neiße hat sich nicht bestätigt. Der Schnelltest bei der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen in Tübingen sei negativ ausgefallen, teilten Agrarministerium und Landratsamt am Dienstag mit. "Für uns ist die Sache damit erledigt", sagte Landrat Dieter Friese (SPD). Er sei erleichtert, dass "die Katastrophe ausgeblieben ist".

Im Ernstfall hätten nach seinen Worten alle 5000 Schweine der Bauern AG Neißetal aus Bärenklau bei Guben, aus der das verdächtige Tier stammte, getötet werden müssen. Friese kündigte an, dass die Quarantäne für den Mastbetrieb aufgehoben wird, der bei Kontrollen nie negativ aufgefallen sei. Zwar wollte das Agrarministerium noch keine endgültige Entwarnung geben, da der abschließende Befund zur Krankheit des Mastschweins, das als einziges aus einer Lieferung von 40 Tieren Auffälligkeiten zeigte, nach weiteren Untersuchungen in Tübingen "für Ende der Woche" erwartet wird. Die Veterinärexperten halten es inzwischen für wahrscheinlich, dass die verdächtigen Bläschen im Maulbereich des Schweins von Desinfektionsmitteln herrühren. Wenn Maul- und Klauenseuche vorläge, wäre dies beim Test festgestellt worden, sagte Friese. "Es gibt kein Risiko mehr."

Hintergrund:
Sicherheitsvorkehrungen aus Angst vor Maul- und Klauenseuche

Obwohl sich die Entwarnung abzeichnete, lagen bei der Bauern AG Neißetal Dienstagmittag die Nerven blank. "Wir sind uns keiner Schuld bewusst", sagte der Geschäftsführer, der seinen Namen nicht nennen wollte und weitere Auskünfte nicht geben mochte. Der Vorgang sei "hochgebauscht worden". Wegen der Quarantäne durften weder Tiere noch Gülle und Futter die Mastanlage verlassen. Nur eine Notbesetzung durfte zum Arbeiten in den Betrieb hinein.

Gähnende Leere auch beim Fleischzentrum Lausitz in Kasel-Golzig, wo das auffällige Schwein entdeckt worden war: Da über den größten Schlachtbetrieb Brandenburgs ebenfalls Quarantäne verhängt wurde, mussten fast alle der rund 240 Beschäftigten am Dienstag zu Hause bleiben. Die Anlage, in der täglich 1500 Schweine geschlachtet werden, wird am Mittwoch wieder den Betrieb aufnehmen. Dass das MKS-verdächtige Schwein entdeckt wurde, zeige, "dass unsere Betriebsabläufe in Ordnung sind", sagte Unternehmenssprecher Hans Dieter-Geis.

Die Aussagen von Brandenburgs Agrarminister Wolfgang Birthler über den stillen Ausgang der "Kadaver-Affäre" des früheren Ministers Edwin Zimmermann im gestrigen Tagesspiegel lösten unterdessen Erstaunen bei Brandenburgs Landtagsparteien aus. Birthler sagte, die einst großzügig geförderten, überdimensionierten Tierkörperbeseitigungsanlagen seien "nie richtig in Betrieb" gegangen, so dass sie zur Entsorgung von BSE-Kühen oder MKS-Schweinen nicht zur Verfügung stünden. Nach Angaben des Ministeriums ist eine mit 12 Millionen Mark geförderte Anlage in Rüdnitz eine Investitionsruine. Eine ebenfalls neu errichtete Anlage in Bresinchen arbeite zwar, habe sich aber auf die Geflügel-Entsorgung spezialisiert. Die Herzberger Alt-Anlage hatte bereits damals nur begrenzte Kapazitäten. Landesrechnungshof-Sprecher Rene Kohl: "Unsere damalige Kritik hat sich bestätigt."

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