HIN  &  WEG   : Weg weisend

Warnsysteme sollen nicht ablenken – Forscher setzen jetzt auf eine LED-Leiste

„In 500 Metern rechts abbiegen“, tönt das Navigationsgerät, während im Autoradio die Staus verlesen werden und der Bordcomputer per Gong vor Glatteis warnt. Und das ist noch längst nicht alles: Moderne Autos liefern Hinweise zur Navigation und auf Verkehrszeichen. Außerdem übermitteln sie Nachrichten über Staus, zu den Straßenverhältnissen und manchmal sogar zu den Ampelphasen. Unterstützung für einen Spurwechsel gibt’s auch. Oder Warnungen vor Fußgängern und Fahrradfahrern, die sich im toten Winkel verstecken oder am Straßenrand im Dunklen laufen.

Mit Hilfe von Bordcomputern, Navigationssystemen, Sensoren oder Kameras erhält der Mensch am Steuer inzwischen vielfältige Informationen. Mit einem Ziel: Sie sollen dem Lenker zu einer sicheren Fahrt verhelfen. Allerdings ist die Menge der Displays, der optischen und akustischen Informationen inzwischen so groß geworden, dass allein die Ablenkung durch die Technik das Unfallrisiko vergrößern kann.

Doch wie lassen sich all diese Daten darstellen, ohne dass der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Lehrstühle Nachrichtentechnik, Arbeitswissenschaft sowie Allgemeine und Arbeitspsychologie im Interdisziplinären Zentrum für Fahrerassistenzsysteme (I-FAS) an der Technischen Universität Chemnitz. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit schmückt den unteren Scheibenrand eines VW Touran: Eine LED-Leiste, die am unteren Rand der Frontscheibe angebracht wird und sich über den gesamten frontalen Sichtbereich des Fahrers ausdehnt. Die Informationsflut soll so kanalisiert werden.

„Bisher werden zur Präsentation visueller Hinweise und Warnungen meistens sogenannte Head-Down-Displays eingesetzt, die in der Mittelkonsole, also neben dem Tachometer, integriert sind“, erklärt der Nachrichtentechniker Philipp Lindner und ergänzt: „Zunehmend werden auch Head-Up-Displays verwendet, bei denen Informationen auf die Frontscheibe projiziert werden.“ Diese lenken Studien zufolge den Fahrer weniger ab. Allerdings sind sie technisch aufwendig und damit teuer. Dazu können sie bisher nur in einem kleinen Bereich des Fahrerblickfeldes dargestellt werden.

Die Forscher sehen hier Vorteile für ihre neu entwickelte LED-Leiste: Sie deckt halbkreisförmig einen Blickbereich von rund 135 Grad ab und ermöglicht dadurch eine Darstellung von Warnhinweisen direkt an der Blickachse zwischen dem Auge des Fahrers und dem Ziel – etwa bei Nacht einem schwer erkennbaren Fußgänger am Straßenrand. Durch ihre Höhe von weniger als zehn Zentimetern werden keine wichtigen Informationen aus dem Verkehrsgeschehen verdeckt. Die Leiste setzt sich aus neun Modulen zusammen, die jeweils mit 256 Leuchtdioden (LEDs) bestückt sind. Jede einzelne LED kann 27 Farben und Graustufen in acht Helligkeitsstufen darstellen. Warnhinweise werden in Form von Symbolen eingeblendet.

An deren optimaler Gestaltung arbeiten Arbeitspsychologen. So wurde in einer Laborstudie etwa das System für die Warnung vor Fußgängern in der Dunkelheit getestet. Auf Basis der Ergebnisse werden nun das optische Design und die Darstellung in einigen Punkten optimiert. Beispielsweise soll die Position eines Fußgängers durch die Anzeige der Fahrbahnbegrenzung besser abgelesen werden können und die Größe der dargestellten Symbole einen Hinweis auf die Entfernung von Personen zum Fahrzeug erlauben.

„Nach der videobasierten Untersuchung im Labor evaluieren wir die LED-Leiste im Fahrsimulator und im Feld“, schildert Philipp Lindner die nächsten Schritte. Sprich: Wenn sich die Forscher sicher genug sind, dass ihr System funktioniert, dann wird auch auf der Straße probiert. Dafür steht den Wissenschaftlern vor allem das Versuchsfahrzeug Carai des Lehrstuhls Nachrichtentechnik zur Verfügung. „Um auch Daten über die Aufmerksamkeit des Fahrers mit den Informationen aus dem Fahrzeugumfeld zu fusionieren, setzen wir bei den Untersuchungen unter anderem ein Eye-Tracking-System ein“, erläutert Lindner. In dem Versuchsfahrzeug Carai, einem VW Touran, arbeiten Bildverarbeitung, Laser- und Radartechnik gemeinsam an der Erfassung und Erkennung der Fahrzeugumgebung.ddp

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